Die Schwierigkeiten des Waffensammelns

17. August 2001, 20:19
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Eine sehr begrenzte Wirkung der Nato-Mission in Mazedonien wird befürchtet

Die Mandate gleichen sich: Wie schon im Sommer 1999 im Kosovo soll auch in Mazedonien die U¸CK zu festgesetzten Terminen jeweils einen bestimmten Prozentsatz ihrer Waffen abgeben müssen. In beiden Fällen nimmt die Nato sie in Empfang. War es im Kosovo die internationale Kfor-Friedenstruppe, so wird in Mazedonien eigens zu diesem Zweck eine "Operation notwendige Ernte" ins Leben gerufen, die aus drei national gemischten Bataillonen mit bis zu 3500 Mann bestehen soll. Zwölf Nato-Staaten nehmen teil.

Wie im Kosovo sollen die Guerillakämpfer ihre Waffen zu Sammelpunkten bringen, in diesem Falle fünfzehn, wo sie von der Nato-Mission entgegengenommen und vernichtet werden. In Mazedonien muss die U¸CK je drei Tage vor jeder parlamentarischen Lesung der vereinbarten Verfassungsreform je ein Drittel ihrer Waffen abgeben.

Ein Drittel wovon? Das war schon im Kosovo die entscheidende Frage. Zunächst ist die U¸CK gehalten, in einem detaillierten Entwaffnungsplan ihre Bewaffnung mit Mengen und Arten darzulegen; von jeder Waffenart ist dann je ein Drittel zum entsprechenden Stichtag abzuliefern. Der Entwaffnungsplan muss nicht nur von der Nato, sondern auch von der mazedonischen Regierung bestätigt werden. Nach jeder der drei Aktionen bekommen die mazedonischen Streitkräfte von der Nato einen Bericht.

"Persönliche Waffen"

Die Nato glaubt über ihre militärische Aufklärung zu wissen, was die U¸CK-Kämpfer pro Brigade so alles im Einsatz haben. Die Zahl der "persönlichen Waffen", vor allem Maschinenpistolen, bemisst sich an der Zahl der Kämpfer: Nach schwankenden Angaben der U¸CK sind es 6000 bis 7000 gewesen, laut Nato um die 5000, während die mazedonische Regierung etwa 2000 U¸CK-Kämpfer annimmt, zu denen sich weitere 6000 "bewaffnete Albaner", vor allem in Dorfmilizen, gesellen sollen.

Beginnen soll die Aktion an allen Sammelpunkten gleichzeitig, und das erst, wenn - nach etwa 14 Tagen - alle Teilnehmer in Mazedonien abgekommen sind. Nach den bisherigen Aktionsplänen gehören regelrechte Suchaktionen nicht zu den Aufgaben der Nato-Mission; die Entwaffnung wird vor allem als eine Bringschuld der U¸CK betrachtet. Ob sie sie auch erfüllt, so heißt es in Skopje, sei vor allem eine politische Frage.

Nicht nur in der Durchführung, auch schon von ihrer Anlage her kann die Aktion nur von begrenzter Durchschlagskraft sein: Die U¸CK hortet nach Geheimdiensterkenntnissen nicht nur in Mazedonien, sondern auch im Kosovo, in Albanien und selbst in Bulgarien Waffen, die sie bei Bedarf hervorholen kann. Zudem verfügt die "Befreiungsarmee" in Westeuropa, vor allem in der Schweiz und in Deutschland, über gut gefüllte Bankkonten, mit denen sie ihre geplünderten Bestände jederzeit wieder ersetzen kann.

Zurzeit gibt die U¸CK sich betont als disziplinierte Armee. Deshalb erwartet man in Skopje, dass sie ihre Verpflichtungen aus dem Entwaffnungsabkommen formal erfüllen wird. Mehr als vor der U¸CK fürchtet sich die Nato vor der feindseligen Haltung der mazedonischen Bevölkerung. Seit im Juni die Nato eine U¸CK-Einheit aus dem Dorf Aracinovo in voller Montur und Bewaffnung evakuierte, sind so gut wie alle Mazedonier überzeugt, dass die Nato mit der albanischen Guerilla gemeinsame Sache macht. Tatsächlich hat die Kfor-Truppe, die auch in Mazedonien ein Kontingent unterhält, seit Beginn des Konflikts im März wenig getan, um die U¸CK zu stoppen.

In den letzten Monaten hat der als radikal bekannte Innenminister Ljube Boskovski eine Polizeireserve aufgebaut und angeblich etwa 7000 mazedonische Zivilisten bewaffnet. Von dieser Seite droht den Nato-Soldaten wahrscheinlich die größere Gefahr. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 18./19.8.2001)

STANDARD- Korrespondent Norbert Mappes-Niediek aus Skopje
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