Die "Sofie" nie gesehen

17. August 2001, 19:46
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Franz Morawetz - Erbauer der Sofiensäle

Wien - Franz Morawetz hatte sein Werk nie gesehen. Als der Sohn jüdischer Handelsleute den Bau der Wiener Sofiensäle in Auftrag gab, war er bereits nach einem schweren Augenleiden erblindet. Ein russischer Major hatte den böhmischen Tuchfabrikanten inspiriert, in der Residenzstadt ein russisches Badehaus zu errichten.

Das 1838 eröffnete Dampfbad war dann derart erfolgreich, dass Morawetz schließlich ein Hallenschwimmbad für 300 Personen einrichten ließ - nach Plänen von van der Nüll und Sicard von Sicardsburg. Das Wasser wurde in Röhren vom Donaukanal zugeleitet, filtriert, in den ersten Stock gepumpt - und auf 22,5 Grad erwärmt. Winters wurden im nach Erzherzogin Sofie benannten Saal Konzerte, Bälle und Versammlungen veranstaltet. Der Eröffnungsball wurde am 12. Jänner 1848 von Johann Strauß Vater dirigiert. Damals war der Saal das größte öffentliche Gebäude von Wien. 1853 startete der Franzose Godard im Garten zur ersten Fahrt mit einem Heißluftballon in Österreich.

1899 wurde schließlich die Front zur Marxergasse von Dehm & Olbricht im secessionistischen Stil umgebaut. Der Badebetrieb wurde 1906 eingestellt. (frei/DER STANDARD, Print, 18./19.8.2001)

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