NATO: Jugoslawische Armee darf an Grenze zum Kosovo vorrücken

17. August 2001, 19:31
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Zwei Jahre nach Ende des Krieges beziehen Belgrads Einheiten in Pufferzone Stellung

Merdare - Die NATO hat am Freitag der jugoslawischen Armee erlaubt, erstmals seit Ende des Krieges vor zwei Jahren wieder unmittelbar an die Grenze zur südserbischen Provinz Kosovo vorzurücken. Das jugoslawische Militär dürfe künftig ohne Beschränkungen Panzer und anderes Kriegsgerät in der fünf Kilometer breiten entmilitarisierten Zone um den Kosovo stationieren, teilten die von der NATO geführten internationalen Friedenstruppen KFOR mit. Zuvor hatten sie und die jugoslawische Armee ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet.

Militär-Flugzeuge und Luftabwehr-Systeme weiter verboten

Aus KFOR-Kreisen hieß es, Militär-Flugzeuge und Luftabwehr-Systeme seien weiter verboten. Seit Ende des Krieges im Juni 1999 ist Kosovo de facto ein Schutzgebiet der UNO, auch wenn die Provinz völkerrechtlich weiter zu Jugoslawien gehört.

Die Erlaubnis zur Truppenstationierung ist das jüngste Zeichen für die verbesserten Beziehungen zwischen der NATO und Jugoslawien seit dem Sturz des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic im vergangenen Jahr. Bereits Anfang 2001 hatte die Allianz den jugoslawischen Streitkräften erlaubt, bis auf einen Kilometer an die Grenze zum Kosovo heranzurücken. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die mehrheitlich albanische Bevölkerung im Kosovo die jüngste Entscheidung der NATO begrüßen wird. Die Albaner wurden vor dem Kosovo-Krieg jahrelang von Serben unterdrückt. Seit dem Sommer 1999 sind rund 200.000 Serben aus dem Kosovo geflohen, weil sie Racheakte und Repressalien der Albaner befürchteten.

Die KFOR wird nach eigenen Angaben die Kontrolle über die entmilitarisierte Zone behalten. Zudem habe sie jederzeit das Recht, das Abkommen bei einem Verstoß der neuen demokratischen Regierung in Belgrad sofort zu widerrufen. Der stellvertretende serbische Ministerpräsident Nebojsa Covic hatte in dieser Woche bereits angekündigt, einen Tag nach Unterzeichnung des Abkommens Truppen unmittelbar an die Grenze zum Kosovo zu verlegen. Die Bundesrepublik Jugoslawien wird von den Teil-Republiken Serbien, zu der Kosovo gehört, und Montenegro gebildet. (APA/Reuters)

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