Vorsicht, Schatzi kann leicht mitlesen

17. August 2001, 19:49
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Überwachungssoftware wird auch in Österreich immer öfter im privaten Bereich eingesetzt

Was ursprünglich als Software für die innerbetriebliche Spionage gedacht war, wird zunehmend zur Überwachung von (Ehe-)Partnern und Kindern eingesetzt. "Wir verkaufen unsere Software mehrheitlich an Privatpersonen", sagt Carsten Rau, Geschäftsführer der deutschen ProtectCom. Seit Jahresbeginn ist seine Firma Generalrepräsentant von Spectrum, des US-Marktführers im Bereich Überwachungssoftware, für Österreich und Deutschland. Rau: "Nach Österreich haben wir im ersten halben Jahr tausend Lizenzen verkauft."

Auf Tastendruck

Kauf und Installation einer solchen Software ist denkbar einfach: Nach Eingabe der Kreditkartennummer kann der Käufer die Software herunterladen, auf einem PC installieren und seine Schnüffler-Karriere starten. Produkte wie Spector, Starr von iOpus oder WinWhatWhere zeichnen dann nicht nur die Dauer der Computerbenutzung auf, sondern führen genau Protokoll über jede einzelne Aktion am PC. Die neugierige Person bekommt also heraus, wie die einzelnen Passwörter lauten, die der Mitbenutzer des PCs vielleicht hat. Da jeder einzelne Tastendruck mitgeschrieben wird, kann er auch nachlesen, was in den E-Mails steht, die verschickt wurden, oder mit wem und was der Observierte chattet.

Mißtrauen als Krisenauslöser

Natürlich können solche Überwachungsmethoden zu partnerschaftlichen Krisen führen. Rau weiß von deutschen Fällen, wo das Lesen von Protokollen zu Scheidungen geführt haben soll. Als Beweisstück vor dem Scheidungsrichter werden solche Protokolle wegen des fragwürdigen Zustandekommens jedoch nicht akzeptiert.

Neugierige Lehrer

Ein weiteres, ganz neues Anwendungsgebiet sind Schulen, erzählt Rau, der die Spector-Software zum Preis von 169 DM (76 EURO) für diesen neuen Abnehmerkreis auf 69 DM (35,3 EURO) verbilligt hat. Da das Ausschalten von Filtern im Internetbrowser für die PC-kundigen Kids kein Problem darstellt und manchmal auch Hackerangriffe vom Klassen-PC gestartet worden sein sollen, beabsichtigten immer mehr Lehrer, auf den Klassencomputern solche Tools zu installieren.

Bespitzelung von Mitarbeitern

Der von Spector & Co ursprünglich anvisierte Verwendungszweck, das Bespitzeln von Mitarbeitern, ist angesichts der Nachfrage von Privatpersonen ins Hintertreffen geraten. Zwar bringt Rau derzeit ein neues Spector-Produkt Webspy auf den Markt, das für die Überwachung in Firmennetzwerken geeignet ist, doch gibt es im Geschäftsbereich exaktere Regelungen dafür, wie Privatsphäre zu schützen ist. In Österreich beispielsweise müsste die Installation einer solchen Software vom Betriebsrat abgesegnet werden. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Printausgabe, 18./19. August 2001)

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