ÖBB rüstet IT-Netz auf

17. August 2001, 19:51
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Aber Fremdkunden sind auf Infobahn derzeit nicht vorgesehen

Wien - Wer an das Bahnnetz denkt, denkt an Stahlschienen, aber kaum an Glasfaser. Dabei betreiben die Österreichischen Bundesbahnen nach dem Netz der Telekom Austria wahrscheinlich das größte flächendeckende Datennetz der Republik, an das rund 1000 Lokalnetze (LAN) und 30.000 Endgeräte über das ganze Land verteilt angeschlossen sind. Mit einer Investition von 45 Millionen Schilling wird diese RailNet.TK genannte Infobahn in einem bis Mitte 2002 laufenden Projekt aufgerüstet. Das österreichweite Datenrückgrat (Backbone) der ÖBB, das 35 Standorte verbindet, wird dabei von 10 auf 155 Megabit/ Sekunde beschleunigt.

Fast alles am Bahngeschäft generiert Datenverkehr, erläutert der IT-Leiter der ÖBB, Werner Vogl: Vom Bankomatschalter und Ticketautomaten am Bahnhof, der Abwicklung des Güterverkehrs und der "Fahrstraßenplanung" (die Schienenauslastung) bis zum Einkaufs- und Immobilienmanagement des Riesen mit 49.000 Mitarbeitern. Wie in jedem Unternehmen ist im Zuge der Digitalisierung von Geschäftsprozessen der Datenverkehr in den vergangenen Jahren sprunghaft gewachsen, wozu insbesondere das Wachstum des Güterverkehrs beitrug. Kam man vor einigen Jahren noch mit einem 2-Megabit-Backbone aus, so hält dieses derzeit bei 10 Megabit und soll nach Abschluss des RailNet.TK-Projekts übers freie Land 155 MBit Kapazität haben, im Wiener Stadtgebiet sogar 1 Gigabit (1000 MBit).

Als Generalunternehmer wurde nach einer EU-weiten Ausschreibung Schoeller Network Design beauftragt. Mit ein Grund für den Umbau besteht darin, dass sich der bisherige Lieferant der ÖBB-Netzwerktechnologie, 3Com, vergangenes Jahr aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten aus dem Geschäft mit Routern (den "Verschubbahnhöfen" des Datennetzes) zurückgezogen hat. Nunmehr werden Router von Cisco diese Aufgabe übernehmen.

Keine Fremdkunden

Als "Kunden" sieht die ÖBB-Telekom-Abteilung derzeit ausschließlich die 18 Geschäftsbereiche der ÖBB selbst, sagt Vogl. Die Datenbeförderung von "Fremdkunden" über das IT-Netz der Bahn sei derzeit nicht vorgesehen. Die Technik dazu wäre allerdings vorhanden. Schon vor einigen Jahren verkaufte die ÖBB einen Teil ihrer Glasfaserkapazität gegen einen Anteil am Telekom-Provider tele.ring.

Schwierig könnte sich die Aufteilung des Datennetzes bei der politisch geplanten Trennung der ÖBB in Schienennetz und Bahnbetrieb gestalten. Denn zwar könne die Backbone-Kapazität relativ leicht getrennt werden, "aber wo am Ende einer Kupferleitung in einem entlegenen Ort zwei Mitarbeiter von unterschiedlichen Geschäftsbereichen sitzen, da wird es aufwendig", sagt Vogl.

Vor Geisterfahrern im ÖBB-Netz müssen sich Bahnkunden übrigens nicht fürchten: Die Signaltechnik ist von der IT-Infrastruktur völlig getrennt und kann darum auch nicht "gehackt" werden. (Helmut Spudich ,DER STANDARD; Printausgabe, 18./19. August 2001)

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