Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran.

6. September 2001, 10:16
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Der persische Islamwissenschaftler und Journalist Navid Kermani widmete der Lehre von der einzigartigen Schönheit des Koran eine brillante Monographie

Gesellschaften imaginieren Selbstbilder und kontinuieren über die Generationenfolge hinweg eine Identität, indem sie eine Kultur der Erinnerung ausbilden. Erinnerungen an eine gemeinsame bewohnte Vergangenheit, genau so wie ein Individuum seine personale Identität nur kraft seines Gedächtnisses ausbilden kann.

Der Glaube an die Wortkunst der Araber und die stilistische Unübertroffenheit des Koran, die Behauptung, niemend unter den sprachbegabten Landsleuten habe es vermocht, dem Koran etwas Besseres, Schöneres, Hinreißenderes entgegenzusetzen, gejört spätestens seit dem zehnten Jahrhundert zu den identitätsstiftenden Elementen der muslimischen Glaubensgemeinde. Der Koran brilliert in unnachahmlicher Sprache.

Zum Bild der eigenen Sprache gehört auch, dass das Niveau, auf das die Araber ihre Sprachkunst gebracht hatten, als Mohammed sie durch die Eloquenz seiner Verkündigung für sich gewann, seitdem nie mehr übertroffen wurde. Bereits der Koran selbst ist ein Dokument seiner eigenen Rezeptionsgeschichte und gibt Zeugnis von seiner auch ästhetischen Wirkung, wenn es in Sure 39:23 heißt: "Gott hat herabgesandt die schönste Kunde/ Ein Buch, sich ähnlich wiederholend,/ Von dem die haut erschauert derer,/ Die fürchten ihren Herren, dann schmeidigt/ Sich ihre Haut und ihre Herzen/ Der Mahnung Gottes."

Religionen haben ihre Ästhetik, so auch der Koran. Doch nicht er strht im Mittelpunkt dieses gescheiten Buches, sondern seine Aufnahme bei den Menschen. (M.B. Paukner)

Navid Kermani
Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran.
C.H. Beck Verlag
546 S./ ATS 360,-/ EUR 25,46
ISBN 3406467385

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