Lateinamerika fordert Änderung der Globalisierung

19. August 2001, 19:10
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Soziale Belange wie Armut und Gleichberechtigung einbeziehen

Santiago - Die Staatschefs der Rio-Gruppe, der 19 lateinamerikanische Länder angehören, haben die internationale Staatengemeinschaft aufgerufen, Argentinien bei der Überwindung der Wirtschaftskrise zu helfen. In einer Erklärung zum Abschluss ihres zweitägigen Gipfeltreffens in Santiago warnten sie vor möglichen Konsequenzen für die gesamte Region, falls die Probleme in Argentinien nicht überwunden würden.

Die Gipfelteilnehmer appellierten insbesondere an die G-8-Staaten, die Schuldenlast Argentiniens und anderer bedürftiger Länder zu mindern. Zugleich wiesen sie darauf hin, dass Argentinien selbst entscheidende Schritte getan habe, um die Staatsausgaben zu begrenzen. Der gastgebende chilenische Präsident Ricardo Lagos gab auch eine telefonische Zusage von US-Präsident George W. Bush bekannt, Argentinien bei der Überwindung der aktuellen Krise zu helfen. Details müssten noch ausgearbeitet werden, sagte Lagos.

Soziale Belange nicht vergessen

Die 19 Staatsführer forderten bei dem Gipfeltreffen ferner eine Globalisierung, die sozialen Belange und die Gleichberechtigung nicht aus den Augen verliert. "Bei der Globalisierung muss es Änderungen geben", sagte Chiles Präsident Lagos am Samstag zum Abschluss. Ohne Gleichheit werde es kein Wachstum geben, warnte der Gastgeber. Lateinamerika müsse seine Interessen mit "einer Stimme" verteidigen.

Die Präsidenten der Rio-Gruppe erneuerten ferner ihre Entschlossenheit, den Drogen- und Waffenschmuggel in der Region zu bekämpfen sowie Armut und Arbeitslosigkeit zu überwinden. Entschieden bekannten sie sich zu Demokratie und Menschenrechten. Bereits in seiner Eröffnungsrede würdigte Lagos die demokratische Entwicklung Lateinamerikas in den vergangenen zehn Jahren.

Der argentinische Präsident Fernando De la Rua führte am Rande des Gipfels Gespräche mit mehreren seiner Amtskollegen. Dabei ging es vor allem um Hilfen zur Überwindung der schweren Schuldenkrise in seinem Land. De la Rua hat drastische Sparmaßnahmen verfügt, gegen die die Bevölkerung auf Massenkundgebungen protestiert. Der Sparkurs ist aber Voraussetzung für weitere Finanzhilfen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF). (DerStandard,Print-Ausgabe,20.8.2001,red)

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