Schwarzer Tag für Europas Börsen

17. August 2001, 18:57
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Weltbörsen bleiben schwach - Fed-Zinssenkung schon eingepreist

Wien - Die wichtigsten europäischen Aktienmärkte haben am Freitag mit sehr schwachen Kursen geschlossen. Am stärksten kam dabei die Frankfurter Börse unter die Räder, die im Verlauf von Rekordtief zu Rekordtief jagte. Die Wiener Börse konnte sich mit minus 0,5 Prozent noch am besten aus der Affäre ziehen.

Grund sei die Angst vor längerer Konjunktur-Schwäche

Grund für die Talfahrt sei die Angst, die Schwäche der Konjunktur und damit der Unternehmensgewinne werde länger dauern als bisher befürchtet, sagte ein Analyst. Die etwas besser als erwartet ausgefallenen Daten zum US-Verbrauchervertrauen hätten die Märkte kaum beruhigt. "An dem generellen Bild ändert sich durch die Daten nichts", so der Analyst weiter. Es sei davon auszugehen, dass sich das Bild weiter eintrübe. Wenn der Arbeitsmarkt in den USA weiter unter Druck gerate, wovon er ausgehe, werde sich das negativ auf das Verbrauchervertrauen auswirken.

Weltbörsen mit Kursverlusten

Die großen Aktienmärkte der Welt haben die vergangene Woche durchwegs mit Kursverlusten beendet. Es spricht einiges dafür, dass auch die kommenden Tage keine wesentliche Verbesserung des trübsinnigen Börseklimas bringen wird, meinen Analysten österreichischer Großbanken. "Es gibt wenig Grund für Euphorie", sagte ein befragter Marktbeobachter. Eine allgemein erwartete Senkung der Leitzinsen durch die US-Notenbank Fed bei der nächsten Sitzung des Offenmarktausschusses am Dienstag sei bereits in die Kurse eingepreist.

Nasdaq, Dax und Nikkei gesunken

Keiner der renommierten Märkte lag im Vergleich mit der Vorwoche im Plus. Die größten Verluste musste der technologieorientierte Nasdaq-Index Prozent hinnehmen, gefolgt vom deutschen DAX , dem japanischen Nikkei, dem S&P-500 und dem Dow Jones Industrial Average.

Dow Jones bewegt sich seitwärts

Für ein nachhaltiges Ansteigen der Aktienkurse sind zunächst einmal mehr und einheitlichere Anzeichen für eine Bodenbildung im Wirtschaftszyklus dringend notwendig, meinen die Analysten der Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB). Charttechnisch laufe der Dow Jones Index in einem sich verengenden Trendkanal seitwärts. Niveaus um 10.300 Dow Jones-Punkte seien als günstig und damit als Kaufgelegenheit zu werten, so die RZB. An der Nasdaq sei das Rückschlagspotenzial nach den vergangenen Verlusten beschränkt. Expertern raten zum Halten, für Neuengagements wird aber abgeraten.

Wal-Mart und Home Depot mit guten Daten

Zuletzt hatten die positiv aufgenommenen Quartalszahlen der Einzelhandelsunternehmen Wal-Mart und Home Depot der gesamten Branche zu leichten Kursavancen verholfen. Neue US-Konjunkturdaten verhinderten aber Gewinne: Zwar bleibe der Inflationsdruck unter Kontrolle. Die Unternehmen rechnen aber auch für das dritte Quartal mit einer sehr verhaltenen Gewinnentwicklung.

Japan: Halten

In Japan ist ebenfalls Halten angesagt. Der neue Premierminister Junichiro Koizumi sagte, er habe sich "damit abgefunden, dass es in den kommenden zwei bis drei Jahren keine sichtbare wirtschaftliche Erholung gegeben wird". Der Nikkei sank darauf auf ein 16-Jahres-Tief, obwohl Koizumi ein Festhalten am Reformkurs versprach. Wie in den USA kämpfen die japanischen Unternehmen mit rückläufigen Gewinnen und tristigen Perspektiven für die nächsten Quartale. Empfehlungen lauten hier allenfalls auf Sumitomo, Takeda, Sony und Mitsubishi Heavy. (APA)

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