Sofiensäle brannten bei rund 1.000 Grad

17. August 2001, 16:10
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Das Mauerwerk hat den Brand jedoch überstanden

Wien - Beim Brand in den Wiener Sofiensälen herrschten Temperaturen um die 1.000 Grad. Am Höhepunkt der Löscharbeiten, als zuerst das Dach lichterloh brannte und später die Decke einbrach und das Feuer sich ausbreitete, kämpfte die Feuerwehr stundenlang mit rund 4.000 Liter Löschwasser pro Minute gegen die Flammen. Diese Details zum Einsatz gab Oberbrandrat Hand Eber bekannt.

Nachlöscharbeiten

"'Brand aus' ist eine Definitionsfrage. Der eigentliche Brand war schon Donnerstag am Abend gelöscht", sagte Eber. Freitagmittag hielten noch rund 20 Feuerwehrleute im Inneren der "Sofie" Wache und bekämpften Glutnester unter dem tonnenschweren Schutt in der Ruine des historischen Gebäudes in der Marxergasse 17 in Wien-Landstraße. Die Brandwache und die Nachlöscharbeiten werden laut Eber über die Nacht und auch am Samstag andauern.

Stahlkonstruktion - verliert ab etwa 550 Grad ihre Festigkeit

"Im Inneren ist alles verbrannt", schilderte der Oberbrandrat die Lage. Die Stahlkonstruktion über dem Großen Saal, die Freitagnachmittag eingestürzt war, "verliert ab etwa 550 Grad ihre Festigkeit. Der Stahl wird dann weich". 1.000 Grad können Eber zufolge übrigens selbst bei einem Zimmerbrand entstehen, unter besonderen Umständen, etwa wenn der Rauch nicht abziehen kann. "Bei solchen Temperaturen bröckelt dann auch der Putz von den Wänden", so der Experte der Wiener Feuerwehr.

Alarm bis zum Ausrücken dauert generell 30 Sekunden

Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgte am Donnerstag um 12.58 Uhr. Über den Notruf 122 geht die Nachricht direkt in die Feuerwehrzentrale. "Nur eine halbe Minute später rücken die ersten Einsatzfahrzeuge aus", schilderte Eber. Als erste fährt immer die nächstgelegene Löschbereitschaft aus, in diesem Fall aus der Leopoldstadt. "Die Anfahrtszeit betrug nicht mehr als fünf bis sechs Minuten", so Eber. Tagsüber dauere es vom Alarm bis zum Ausrücken generell 30 Sekunden, nachts eine Minute.

Auch >Kriminalpolizei wird sofort alamiert

Unterdessen verständigen die Kollegen in der Feuerwehrzentrale über telefonische Direktleitungen alle anderen betroffenen Stellen. Im Fall des Sofiensäle-Brandes waren dies beispielsweise die Polizei, die den Einsatzfahrzeugen freie Zufahrt ermöglicht oder bei der Evakuierung von Gebäuden hilft, E- und Gaswerke. Wenn die Ursache für ein Feuer unklar ist, bei Verdacht auf Brandstiftung, oder, wie bei der "Sofie", möglicher Unachtsamkeit als Auslöser, wird automatisch die Kriminalpolizei alarmiert, sagte der Oberbrandrat.

Das Positive dannach - Das Mauerwerk steht

"Die Brandstätte schaut fürchterlich aus", so Eber. Positiv sei aber anzumerken, dass "das Mauerwerk selbst steht". Für den Experten ist die Ruine der Sofiensäle nach erstem Augenschein durchaus mit dem Zustand der Redoutensäle nach dem verheerenden Hofburg-Feuer im Jahr 1992 vergleichbar: "Vorsichtig gesagt, dürfte da eine ganz ähnliche Situation bestanden haben. Damals hat man die Mauern stehen gelassen und das Gebäude revitalisiert." Statiker und natürlich auch wirtschaftliche Überlegungen hätten bei einer Entscheidung über die Zukunft der "Sofie" aber wohl ein gewichtiges Wort mitzureden, sagte Eber. (APA)

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