China stellt Internet-Journalisten vor Gericht

17. August 2001, 14:25
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Heimlicher Prozess wegen Olympia-Bewerbung - Aufmersamkeit soll vermieden werden

China hat nach Angaben eines New Yorker Journalistenkomitees heimlich den Prozess gegen einen Internet-Journalisten begonnen. Huang Qi werde vorgeworfen, auf seiner Web-Site www.6-4.tianwang.com Artikel über die chinesische Demokratiebewegung, die verbotene Sekte Falun Gong und die Unabhängigkeitsbewegung im nordwestlichen Xinjiang veröffentlicht zu haben, gab das Komitee zum Schutz von Journalisten bekannt. Huang sei bereits am Dienstag in der chinesischen Provinz Sichuan vor Gericht gestellt worden.

"Internationale Aufmerksamkeit vermeiden"

Familien-Mitglieder dürften den Prozess nicht beiwohnen. Auch seien keine Angaben über das Urteil oder ein Datum der Urteilsverkündung gemacht worden. Huang sei bereits im Juni vergangenen Jahres verhaftet worden, teilte die Journalistenorganisation mit. Das Verfahren sei aber immer wieder verschoben worden. Dies sei "ein offensichtlicher Versuch gewesen, internationale Aufmerksamkeit über Menschenrechtsverletzungen während Pekings Bewerbung als Austragungsort der Olympischen Spiele im Jahre 2008 zu vermeiden", hieß es in der Mitteilung.

Website in China nicht zugänglich

Trotz Kritik aus dem Westen an der Menschenrechssituation in China erhielt Peking vom Olympischen Komitee im Juli den Zuschlag. Huangs Fall hat international Interesse erregt, weil er illustriert, wie China zwar das Internet kommerziell nutzen, aber andererseits auch staatlich kontrollieren will. Seit April 2000 wird Huangs Web-Site von einem amerikanischen Internet-Host aufrecht gehalten. In China selbst ist die Seite nicht zugänglich. Das kommunistisch regierte Land blockiert routinemäßig Internet-Seiten etwa von westlichen Medien und Menschenrechtsgruppen. (APA/Reuters)

LINKwww.6-4tianwang.com
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