Belästigungs-Skandal am LKH Klagenfurt

17. August 2001, 14:25
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Angeblich seit Jahren sexuelle Belästigungen auf der Psychiatrie

Klagenfurt - Mit schweren Vorwürfen wegen angeblicher Missstände am Zentrum für Seelische Gesundheit am LKH Klagenfurt wartete am Freitag die Kärntner FPÖ auf. Deren Parteisprecher, Abg. Siegfried Jost, erklärte, dass es an der "geschlossenen gemischten Abteilung" in den vergangenen Jahren "wiederholt sexuelle Belästigungen und Aggressionen" gegeben hätte. Einmal soll es sogar zu einer Vergewaltigung gekommen sein . Abteilungleiter Primarius Thomas Platz wies diese Behauptungen als "lächerlich und haltlos" zurück.

Jost bezog sich bei seinen Anschuldigungen auf Berichte der Patientenanwälte des beim Justizministeriums angesiedelten Vereins für Patientenanwaltschaft und Sachwalterschaft. Laut diesen seien die angeblichen Missstände auch in Sachverständigen-Gutachten sowie bei Gerichtsverhandlungen zur Sprache gekommen. Diese Wahrnehmungen seien allerdings vom Primarius "verleugnet" worden. Auch hätten bisher weder die LKH-Führung noch die Gesundheitsabteilung beim Amt der Landesregierung (Zuständiger Referent ist SP-LHStv. Peter Ambrozy, Anm.) eingegriffen.

Die FPÖ will jetzt im Landtag einen Unterausschuss beantragen, der sich mit der Situation an der Psychiatrischen Abteilung befassen soll. Man hoffe diesbezüglich auf ein parteiübergreifendes Vorgehen, erklärten Jost und Warmuth. Auch wolle man sich in der Sache an Gesundheitsminister Herbert Haupt wenden.

Gesundheitsreferent LHStv. Peter Ambrozy kündigte Untersuchung an

Der Kärntner Gesundheitsreferent LHStv. Peter Ambrozy (S) kündigte am Freitag die sofortige Einleitung einer Untersuchung der Vorwürfe gegen die Psychiatrische Abteilung am LKH Klagenfurt an. Gleichzeitig stellte er klar, dass ihm der Bericht über angebliche sexuelle Übergriffe, auf den sich die FPÖ bezieht, nicht vorliege.

Da der Verein für Patientenanwaltschaft und Sachwalterschaft jedoch beim Justizministerium angesiedelt ist, bestehe der Verdacht, dass Minister Dieter Böhmdorfer die entsprechenden Unterlagen "der FPÖ zugespielt" habe statt dem zuständigen Referenten.

Warnung - Menschen nicht vor Behandlung abzuschrecken

Ambrozy betonte, dass er für die lückenlose Aufklärung der Verdachtsmomente sorgen werde. Außerdem werde gemeinsam mit Ärzten, Pflegepersonal und Patienten nach Wegen gesucht, sexuelle Belästigungen wirkungsvoll zu verhindern. Der Gesundheitsreferent warnte gleichzeitig "vor Panikmache und Überreaktionen", da es unverantwortlich sei, Menschen vor einer notwendigen medizinischen Behandlung abzuschrecken.

Leiter der Psychiatrischen Abteilung ist eine Belästigung bekannt

Der Leiter der Psychiatrischen Abteilung am LKH Klagenfurt, Primarius Thomas Platz, gestand Freitagmittag gegenüber Radio Kärnten ein, dass es "vor Monaten den Versuch einer sexuellen Belästigung gegeben" hätte. Von einer Vergewaltigung wisse er jedoch nichts.

Im übrigen würde es dem Stand der Wissenschaft entsprechen, dass Personen weiblichen und männlichen Geschlechts gemeinsam auf einer Station behandelt werden. Die Vorwürfe der FPÖ dienten laut Platz lediglich dazu, "das Bild der Psychiatrie in den Dreck zu ziehen". (APA)

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