Probiotisches statt Antibiotika für Schweine

17. August 2001, 13:58
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Reform der Zucht im Test

Berlin - Probiotika und links- oder rechtsdrehende Milchsäuren wollen Wissenschaftler der Freien Universität Berlin als Futtermittelzusatz in der Schweinezucht erproben. Die Forscher versuchen festzustellen, ob dadurch die Darmflora der Tiere auf ähnlich positive Weise beeinflusst wird, wie beim Menschen etwa durch probiotische Joghurts. Sie glauben, dass sich so die Verwendung von Antibiotika in der Tierzucht reduzieren lässt.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Probiotika das Wachstum von Enterobakterien im Verdauungstrakt von Ferkeln hemmen und positive Veränderungen der mikrobiellen Besiedlung zur Folge haben. Auch bei Geflügel und Kälbern hat sich in der Mehrzahl der Untersuchungen die Wirksamkeit dieser Zusatzstoffe herausgestellt. Ein gesichertes Wissen über die Wirkungsweise von Probiotika liegt bislang dennoch nicht vor. Verschiedene Befunde aus der Anatomie und Immunologie weisen auf morphologische, histologische und funktionelle Veränderungen der Darmschleimhaut sowie des Immunsystems hin.

Die bisherige Forschung zu den Wirkmechanismen von Probiotika konzentriert sich auf Lactobacillus-Arten, die zwar in der Humanernährung eine herausragende, in der Tierernährung hingegen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Daher sind die Ergebnisse aus der Probiotikaforschung im Humanbereich nur bedingt auf die Tierernährung übertragbar. Vorläufig sind drei probiotische Keime als Futterzusatzstoffe zugelassen: Neben Enterococcus- und Bacillus-Arten, die von Natur aus im Verdauungstrakt bzw. im Boden vorkommen, Stämme der Hefe Saccharomyces cerevisiae. Letztere ist auf Früchten zu finden und wird auch als Brau-, Brenn- und Backhefe verwendet. Im Verlauf der Studie sollen exemplarisch Vertreter dieser drei Mikroorganismen-Gruppen untersucht werden.

Als Futterzusätze werden die Probiotika letztlich allerdings nur dann zugelassen, wenn auch ihre Sicherheit bewiesen ist. Sie dürfen die Gesundheit des Wirts und der Personen, die mit dem Präparat umgehen, nicht beeinträchtigen. Sie müssen apathogen sein, dürfen also keine Krankheiten hervorrufen und keine Toxine produzieren. Ferner dürfen sie nicht invasiv sein und keine Resistenzen von Mikroorganismen gegen Antibiotika ausbilden. Die Zulassung wird schließlich von der Europäischen Kommission geregelt. Gefördert wird das Projekt der Berliner Wissenschaftler von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. (pte)

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