Balkan-Experte: "Mazedonien-Pakt große Illusion"

17. August 2001, 13:45
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Für Jens Reuter wird Besserstellung der Albaner "Appetit auf mehr" nicht besänftigen können

Saloniki/Wien - Es sei "eine große Illusion", dass die vertraglich festgelegte Verbesserung ihrer Rechtsstellung die Albaner in Mazedonien zufrieden stellen könne, erklärte der deutsche Balkan-Experte Jens Reuter vom Südosteuropa-Zentrum in Saloniki am Freitag in einem ORF-Interview im Radio-Mittagsjournal. Die Verfassungsänderungen, die noch das Parlament in Skopje passieren müssen, würden den albanischen "Appetit auf mehr" nicht besänftigen können.

Nach dem zwischen den slawischen und albanischen Parteien unter westlicher Vermittlung geschlossenen Ohrid-Abkommen wird Albanisch in den Gebieten des Landes, in denen es von mindestens 20 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird, zweite Amtssprache. Die Formulierung in der Verfassung von 1991, nach der Mazedonien der "Nationalstaat des mazedonischen Volkes" ist, wird gestrichen. Mazedonien soll nun als Gemeinschaft aller seiner Bürger definiert werden. In Kreisen, in denen Albaner die Mehrheit stellen, sollen albanische Polizeichefs eingesetzt werden; die Befugnisse kommunaler Verwaltungen sollen erweitert werden.

Hinsichtlich der freiwilligen Waffenabgabe der albanischen UCK-Rebellen sprach Reuter von einer gewissen "Beliebigkeit". Das Beispiel Kosovo 1999 habe gezeigt, dass niemand die Waffen zählen könne und auch über deren Qualität nichts gesagt werde. Die UCK sei bekanntlich "im Waffenhandel sehr erfolgreich tätig" und könne die abgegebenen Waffen leicht "restituieren". Die NATO habe die UCK im Kosovo gewähren lassen und damit die jetzige Krise in Mazedonien heraufbeschworen.

Ein weiteres internationales Protektorat auf dem Balkan wie in Bosnien und Kosovo wäre notwendig, "aber genau das will die NATO nicht", sagte Jens Reuter. (APA)

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