Wie hallstattzeitliche "Rohschinken-Produktion" funktionierte

17. August 2001, 13:31
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Anlage rekonstruiert

Linz - Das Verarbeiten und Konservieren von Fleisch, wie es die Menschen vor über 3.000 Jahren in der Bronzezeit gemacht haben, wird jetzt am Salzberg in Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut demonstriert. Wissenschafter haben eine so genannte "Pökelwanne" an ihrem Originalstandort nachgebaut, die nunmehr zu besichtigen ist. Die Rekonstruktion erfolgte nach den bei Ausgrabungen gewonnenen Erkenntnissen. Diese brachten außerdem ein interessantes Detail zu Tage: Bereits damals existierten regelrechte "Zuchtbetriebe" für Schweine.

Im 19. Jahrhundert legten Forscher bei Ausgrabungen in Hallstatt, deren Ergebnisse einer ganzen Epoche die Bezeichnung "Hallstattzeit" einbrachten, unter anderem Blockbauten frei. Sie nahmen vorerst an, dass es sich um frühe Wohngebäude gehandelt habe. Doch dann erkannten sie, dass diese Bauwerke bereits bei ihrer Entstehung "zisternenartig" eingetieft waren. In der Folge wurden die Blockbauten als Auffangbecken bei der Salzgewinnung angesehen - diese Interpretation widersprach jedoch der Annahme, dass damals bereits Untertag-Bergbau betrieben wurde.

Der "Hallstatt-Experte" Fritz Eckart Barth vom Naturhistorischen Museum in Wien fand heraus, dass es sich um überdachte Surbecken handelte. In den Bassins wurden große Mengen von Schweinefleisch mit zerkleinertem Salzgestein und Wasser versetzt und auf diese Weise gepökelt. Das gesalzene Fleisch wurde anschließend im Salzberg luftgetrocknet. Er verfügt über das dazu notwendige "Mikroklima", das sich auch in anderen Gegenden Europas findet, wo noch heute Rohschinken erzeugt wird. Praktische Versuche am und im Salzberg brachten durchaus schmackhafte Ergebnisse, unter Archäologen existiert bereits der Begriff "Hallstätter Grubenspeck".

Die in "zeitgleichen" Schichten gefundenen Skelettreste von Tieren deuteten außerdem auf die Existenz von Zuchtbetrieben an anderen Orten hin. Die Forscher entdeckten nämlich einerseits nur Knochen von Hausschweinen und andererseits nur ganz bestimmte Knochen: Schädelknochen, Wirbel und Rippen fehlten beinahe gänzlich. Nach Meinung der Forscher sind diese Funde ein Indiz dafür, dass die Tiere außerhalb von Hallstatt gehalten, geschlachtet und dann zerteilt angeliefert wurden.

Für den Nachbau der Pökelwanne wurde an der Stelle, an der Archäologen 1877 ein solches Bauwerk ausgegraben haben, ein rund zwei Meter tiefes, quadratisches Loch mit sechs Metern Seitenlänge ausgehoben. In dieser Grube wurde ein Holzkasten in Blockbauweise versenkt und mit Lehm abgedichtet. Die Forscher verwendeten nur Materialien, die nachweislich bereis vor 3.000 Jahren existierten, zum Beispiel Bronzewerkzeuge.

Der Bau wurde vom Naturhistorischen Museum Wien in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Salinen AG realisiert und erfolgte im Rahmen des EU-Programmes "Raphael". Dabei arbeiten das Museo Archeologico in Modena in Italien, das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen in Deutschland sowie die Prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien mit der Freilichtanlage am Salzberg in Hallstatt als Partner in dem Projekt "Archeo Live" zusammen, um den Besuchern jeweils das prähistorische Leben handgreiflich vor Augen zu führen. (APA)

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