Wienstrom kündigt Strompreissenkung an

17. August 2001, 17:18
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Fünf Prozent der Wiener wechseln mit Marktöffnung voraussichtlich den Lieferanten

Wien - Die Wienstrom überlegt eine Senkung des reinen Strompreises, gleichzeitig könnten jedoch die Durchleitungstarife steigen. Jeder Kunde, der ein Billig-Strom-Angebot eines anderen Anbieters erhält, sollte daran denken, dass bei Wienstrom an einer weiteren Verbilligung gearbeitet werde, sagte Wiener Stadtwerke-Generaldirektor Karl Skyba im Gespräch mit der APA. Für private Haushalte, die mit der völligen Strommarktliberalisierung per 1. Oktober 2001 ihren Stromversorger frei wählen können, könnte der reine Strompreis noch günstiger werden.

Wienstrom, eine 100-Prozent-Tochter der Wiener Stadtwerke, hoffe aber für die Umsetzung der Preissenkung auf eine Verordnung des Wiener Landeshauptmanns Michael Häupl (S) für einen Kraft-Wärme-Kopplungs-Zuschlag auf den Netztarif. Dadurch werde sich die Netzgebühr etwas erhöhen, so Skyba. Strom und Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung gelten als umweltfreundlich.

Neue Anbieter günstiger wie Wienstrom

Laut jüngsten Daten der E-Control, der Regulierungsbehörde für die E-Wirtschaft, zahlt ein Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh bei Wienstrom pro Jahr für das Netz 2.628 S, der reine Energiepreis für den Strom liegt bei 1.911 S. Die neuen Anbieter liegen beim reinen Strompreis bei 1.638 S (MyElectric), 1.649 S (Raiffeisen Wasserkraft) und 1.680 S (switch). Zu den Strom- und Netzkosten kommen bei allen Anbietern noch Steuern und Abgaben.

3 bis 5 Prozent der Wiener Haushalte dürften sich für einen neuen Stromversorger entscheiden, erwartet Skyba. Bei einem allfälligen Wechsel entstünden keine zusätzlichen Kosten, Zählergebühr und Stromablesung seien bereits in den Durchleitungstarifen enthalten. Skyba verwies auf Kundendienst und Beratungsleistungen der Wienstrom. Außerdem sei beim Optima-Tarif beispielsweise eine Stromunfallversicherung inkludiert.

Niedrigere Stromerlöse durch Preissenkungen

Die Stromaufbringung der Wienstrom stieg im Jahr 2000 zwar um 5,7 Prozent auf 10.963 GWh, die Eigenaufbringung sank jedoch um 16,8 Prozent auf 3.810,3 GWh. Der Fremdstrombezug erhöhte sich dagegen um 23,5 Prozent auf 7.153 GWh, geht aus dem Geschäftsbericht der Wiener Stadtwerke hervor. Die Fernwärmelieferungen aus Kraft-Wärme-Kopplung aus den Kraftwerken Simmering und Leopoldau gingen im Vorjahr - temperaturbedingt - um 11,8 Prozent auf 2.665,5 GWh zurück. Die Stromabgabe stieg um 0,5 Prozent auf 9.366 GWh.

Die bereits im Vorfeld der völligen Marktöffnung erfolgten Preissenkungen haben bei Wienstrom im Jahr 2000 zu niedrigeren Stromerlösen geführt. Laut Geschäftsbericht sanken die Erlöse aus dem Stromverkauf 2000 gegenüber 1999 um 457 Mill. S oder rund 4 Prozent auf 11,4 Mrd. S (828 Mill. Euro). Die höheren Erlöse aus Stromhandel, Fernwärmeverkauf und dem Geschäftsfeld Telekommunikation hätten dies nicht kompensieren können, sodass die Umsatzerlöse der Wienstrom GmbH auf 12,24 (12,45) Mrd. S zurückgingen.

Ergebnis halbiert

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) halbierte sich auf 573,4 Mill. S, nach 1,27 Mrd. S. Der Betriebserfolg sank auf 471 Mill. S, nach 1,2 Mrd. S. Neben den geringeren Stromerlösen waren dafür laut Skyba auch die höheren Gas-Einstandspreise ausschlaggebend. Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe man um 600 Mill. S mehr für Gas ausgegeben.

Heuer dürften die Erlösrückgänge nicht mehr das Ausmaß des Vorjahres erreichen. Skyba rechnet mit rund 100 Mill. S weniger. Das EGT dürfte knapp unter dem Wert des Jahres 2000 zu liegen kommen.

Die Zahl der Mitarbeiter lag Ende 2000 bei 3.820 Beschäftigten (inklusive Karenzurlauber und Präsenzdiener), das ist gegenüber Ende 1999 ein Minus von 4,0 Prozent. Die Zahl der Pensionisten wuchs um 3,3 Prozent auf 2.983. Der Personalaufwand erhöhte sich trotz der geringeren Mitarbeiterzahl um rund 3,5 Prozent auf 3,9 Mrd. S, was im Geschäftsbericht auf "Bezugserhöhungen und die anhaltend hohen Aufwendungen für die Altersversorgung" zurückgeführt wird. (APA)

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