"Die Girlie-Mode ist vorbei"

17. August 2001, 12:20
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Junge Frauen können auf Minihandtaschen verzichten

Frankfurt/Main - Mini-Rucksäcke und Handtaschen im Kleinformat sind bei jungen Frauen auf dem Rückzug. Nach Jahren, in denen solche eher winzigen Behältnisse den Arm oder Rücken einer Frau zierten, sind diese Modeerscheinungen inzwischen seltener in Bars, Szene-Clubs und auf der Straße anzutreffen. "Die Girlie-Mode - alles klein und niedlich - das ist vorbei", konstatiert auch Birgit Richard. Sie ist an der Goethe-Universität in Frankfurt Professorin für Kunstpädagogik und Medien und Expertin für Jugendkultur. Nun dienen Trekking-Ausrüstung und Rucksäcke nach ihrer Ansicht bei den Entwürfen wieder als Vorlage.

Renner: DJ-Taschen

Die Taschen-Spielarten bei Form, Farbe und Material sind ganz unterschiedlich. Originelles kommt aus Südhessen: Der Kleestädter Paul David Rollmann hat 1995 mit FreundInnen angefangen, aus alten Luftmatratzen Taschen zu nähen, in denen die Utensilien für das Nachtleben Platz haben. "One Night Stunt" heißt der Klassiker der Firma (Airbag Craftworks), für 180 Mark (92,0 Euro/1.266 S) ist er zu haben. "Da kriegt man einen Ordner rein, und trotzdem ist es nicht klotzig", sagt Rollmann. Im Internet, aber beispielsweise auch in einer Boutique in Tokio bietet er das "DIN A 4 plus"-Format am Riemen an. Es gibt auch knappere Schnitte, etwa das Modell "Baden- Baden", aber der Renner bleiben die großen DJ-Taschen.

Ein altes Schulhaus ist der Sitz der Firma. Eine Näherin, die früher Schulranzen produziert hat, ein gelernter Schneider, BekleidungstechnikerInnen, GrafikerInnen gehören zum Team. Für die passende Innenausstattung der DJ-Taschen hat Rollmann ein Gefühl, schließlich legt er selber gelegentlich in Clubs auf. Probleme bereitet die Beschaffung des Außenmaterials: "Das ist manchmal ganz schön schwierig, es werden nicht mehr so viele solcher Luftmatratzen hergestellt", sagt der Firmengründer.

Das Streben nach geordneten Verhältnissen...

Bei Umhängetaschen hat sich insgesamt auch einiges getan - auch um den Zeiten des unorganisierten Chaos ein Ende zu setzen. Frauen wollen an der Supermarktkasse nicht mehr zwischen Make-up, Terminkalender oder gar Schnullern nach der Geldbörse wühlen müssen. Neben dem separaten Schminkfach will die Frau von heute auch ein eigenes Handy-Fach zur Verfügung haben. Das Streben nach geordneten Verhältnissen in Taschen reicht nach Einschätzung von Professorin Richard inzwischen recht weit: "Ordnungsversuche gibt es inzwischen auch bei Rucksäcken".

Glamour-look passt nicht allen

Dezente Farben, praktische Funktionen für den Alltag werden nach Ansicht der Modeberaterin gefragt sein: Der Glamour-Look, Stiletto und dazu passende Accessoires "hat zwar ein bisschen Aufsehen erregt, aber die meisten Frauen konnten damit nicht viel anfangen". Auch die Zeiten des Vamps als Mode-Leitfigur scheint vorbei zu sein. (dpa/red)

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