Mit "Asterix" gegen Hollywood

17. August 2001, 10:30
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Frankreichs Filmförderung ist ein Vorbild für Europa

Paris - Der finanzielle Einsatz war hoch und die Ausbeute gigantisch: Mit einem Budget von 280 Millionen Franc (42,7 Mill. Euro/587 Mill. S) ist der Film "Asterix und Obelix gegen Cäsar" des französischen Produzenten Claude Berri gleichzeitig der teuerste Film, der jemals in Frankreich gedreht wurde und weltweit ein Kassenhit. Der Streifen, der am 3. Februar 1999 in die Pariser Kinos kam, lockte bereits 4 Wochen nach seiner Premiere mehr als 7,5 Millionen Besucher an.

Erstmals wieder wurde ein französischer Film zum Welterfolg mit 13 Millionen Zuschauern außerhalb Frankreichs und 616 Millionen Franc Einnahmen weltweit. Mit dem Asterix-Film zogen die Gallier siegreich gegen den Filmriesen Hollywood, der seit Jahren den Markt erdrückte - nicht zuletzt dank eines einzigartigen öffentlichen Hilfssystems.

Geldkonto

Berris Produktionsfirma Rennfilm hat viel eigenes Geld investiert, aber auch französische Hilfen für seine Großproduktion erhalten. Wie fast alle französischen Produzenten besitzt Berri ein Konto bei dem "Centre national de la cinematographie" (CNC) ("Staatliches Zentrum für Filmwirtschaft") in Paris. Auf dieses Konto gehen für jeden Film zwischen 10 und 11 Prozent des Verkaufspreises pro Eintrittskarte ein.

Um zu den Glücklichen eines solchen Kontos zu zählen, muss man zwei Bedingungen erfüllen - Franzose oder Französin sein und bereits einen Film gedreht haben. Das CNC wurde 1946 gegründet, um das kränkelnde Kino mit großzügigen Finanzspritzen aufzupäppeln.

Selektive Hilfe

Neben dieser "automatischen Hilfe" gibt es die "selektive Hilfe", die unter anderem in den Kategorien "Erstlingsfilm", "Zweiter Film und mehr" sowie "Drehbuch" vergeben wird. Das Geld für diese Hilfe holt sich das CNC über Abgaben, die Frankreichs Kinosäle und Fernsehanstalten zahlen müssen. "Die Abgabe betrifft alle Kinofilme, die in Frankreich gezeigt werden - egal ob es sich dabei um französische, amerikanische oder deutsche Streifen handelt", erklärt die Pressesprecherin des CNC, Caroline Cesbron.

Insgesamt stehen dem CNC für diese Zwecke jährlich 2,2 Milliarden Franc zur Verfügung, ungefähr 200 Millionen Franc stammen aus den Kassen des französischen Staats. Die Höhe der finanziellen Hilfe beträgt pro Film durchschnittlich 2,5 Millionen Franc. "Das ist viel und wenig. Bei den heutigen Produktionskosten, die bei mehr als dem Zehnfachen liegen, wirkt die Summe eher bescheiden", meint ein Produzent. Die restlichen Gelder stammen dann meistens aus privaten Quellen. Die Unterstützung des CNC hilft bei der Suche nach Privatgeldern jedoch enorm. "Wird ein Filmprojekt vom CNC unterstützt, findet der Produzent danach viel einfacher weitere Geldquellen. Das CNC ist eine gute Visitenkarte", meint Caroline Cesbron.

Private Spender

Zu den privaten Geldtöpfen zählen vor allem die Privatsender Canal+ und TF1, lokale Körperschaften und die SOFICA, Gesellschaften zur Finanzierung der audiovisuellen Medien und Filmindustrie, die bis zu 25 Prozent ihrer Produktionsinvestitionen von ihren Nettoeinkommen steuerlich absetzen können. Im Jahr 2000 haben 22 SOFICA mehr als 58 Millionen Franc investiert. Diese Anreizstruktur zur Förderung der Filmproduktion hat der französische Staat bereits in den 80er Jahren ins Leben gerufen.

Das CNC hilft überall. Das 1949 gegründete "Unifrance", die Einrichtung zur Förderung des französischen Films im Ausland, lebt von seinen Geldern, aber auch das berühmte Filmfestival in Cannes, das zu 60 Prozent vom CNC finanziert wird. Heute gehört Frankreich zu den Ländern, die in Europa jährlich am meisten Filme produzieren: insgesamt 171 im Jahr 2000, davon 145 auf französische Initiative hin. (APA/dpa)

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