China: Hohe Haftstrafen für Falun-Gong-Mitglieder

17. August 2001, 10:22
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Wegen Organisation und Beihilfe zu Selbstverbrennungen

Peking - Sieben Monate nach einer Selbstverbrennung auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz) in Peking sind vier Angehörige der Sekte Falun Gong am Freitag zu hohen Strafen zwischen sieben Jahren und lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Erste Mittlere Volksgericht von Peking verurteilte sie wegen "vorsätzlicher Tötung", da sie die Selbstmorde "organisiert, dazu angestiftet, angeleitet und dabei geholfen haben", zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua aus dem Urteil.

Bei der Selbstverbrennung waren eine 36 Jahre alte Mutter und ihre 12-jährige Tochter ums Leben gekommen. Zwei andere erlitten schwere Brandverletzungen. Die Behörden nutzten Filmaufnahmen von der Aktion in ihrer seit 1999 laufenden Kampagne gegen den verbotenen Kult und erzielten damit einen merklichen Wandel in der öffentlichen Meinung. Doch bestritten Sprecher der Sekte im Ausland, dass es sich um Falun-Gong-Mitglieder gehandelt habe, da ihre Lehre eine Selbsttötung verbiete. Allerdings hatten damals auch unabhängige Augenzeugen bestätigt, dass es Sektenmitglieder gewesen seien.

Verbot im Juli 1999

Der in den USA lebende Falun-Gong-Gründer Li Hongzhi hatte seine Gefolgsleute in der Volksrepublik China aufgerufen, anlässlich des Mondneujahrs gegen das Verbot der Bewegung zu demonstrieren. Den Aufruf des Sektenführers nannten die staatlichen Medien einen Versuch, China zu destabilisieren. Peking hat die Sekte, die es ursprünglich gefördert hatte, im Juli 1999 verboten und seitdem Zehntausende von Falun-Gong-Mitgliedern festnehmen lassen. Der Kult verbindet meditative Gesundheitsübungen wie die traditionelle chinesische Atemtechnik Qigong mit einer Mixtur von Elementen aus verschiedenen Religionen, vor allem buddhistischer und taoistischer Inspiration.

Sektenführer Li, der nach Darstellung seiner Kritiker auch offen rassistische Theorien verbreitet, verlangt strenge Gefolgschaft und hat Falun Gong im Kern wie eine klassische chinesische Geheimgesellschaft organisiert. (APA/dpa)

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