Naive NATO hat nichts dazugelernt

17. August 2001, 08:57
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Deutscher Admiral a.D.: Mazedonien-Einsatz wird kein kurzer "Ausflug ohne Risiken"

Frankfurt/Main - Die NATO müsse in Mazedonien zwangsläufig auf Kampfhandlungen wie auch auf eine lange Einsatzdauer vorbereitet sein, schreibt der deutsche Vizeadmiral a.D. Ulrich Weisser am Freitag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). "Die NATO handelt unverantwortlich, wenn sie den Entsendestaaten vorgaukelt, es handle sich bei der Entwaffnungsoperation um einen militärischen Ausflug ohne Risiken."

"Der politische Verhandlungsweg zu einem Verfassungskompromiss in Mazedonien darf nicht darüber hinwegtäuschen: Das Land befindet sich weiterhin am Rande eines Bürgerkriegs, der womöglich mit gnadenloser Härte ausgetragen werden wird", warnt der hohe Offizier. "Obwohl die NATO seit Jahren mit vielen tausend Soldaten in Bosnien und im Kosovo präsent ist, scheint das Bündnis für die Befriedung des Balkans nichts hinzugelernt zu haben. Es kann der Allianz ja nicht entgangen sein, daß die Drahtzieher der immer wieder aufflammenden Kämpfe in Mazedonien im Kosovo sitzen."

"Riesige Summen"

"Es sind albanische Extremisten, die durch Rauschgift- und Menschenhandel riesige Summen zur Verfügung haben und zugleich von der politischen Wahnvorstellung eines Groß-Albanien besessen sind." Die albanischen Minderheitenrechte in Mazedonien würden von diesen Terroristen instrumentalisiert, um Unruhe zu schüren; "zunächst gilt es deshalb, der UCK und ihren Nachfolgeorganisationen das Handwerk zu legen und ihre terroristischen Führer dingfest zu machen."

"Es kann keinen Frieden für Mazedonien geben, solange die albanische Frage und die Zukunft des Kosovo nicht im Zusammenhang behandelt werden. Vor diesem Hintergrund war und ist es mehr als naiv zu glauben, die NATO könne 3500 leicht bewaffnete Soldaten nach Mazedonien schicken, um dort die Waffen der 'Konfliktparteien' einzusammeln, nachdem ein Friedensabkommen geschlossen ist. Hätte man es dort mit wirklich friedenswilligen und einsichtigen Parteien zu tun, so könnte die Waffen-Sammelaktion auch von nicht-militärischen Verbänden ausgeführt werden. Tatsächlich aber geht es darum, eine zum Äußersten entschlossene Bande von Terroristen und nationalistischen Extremisten auch gegen deren Widerstand zu entwaffnen." (APA)

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