Argentinien: Proteste an Sparkurs der Regierung reißen nicht ab

17. August 2001, 07:42
posten

Erneut tausende Menschen auf den Straßen

Buenos Aires - Tausende Menschen sind am Donnerstag in Argentinien gegen den rigiden Sparkurs der Regierung auf die Straße gegangen. Vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires schwenkten sie Plakate mit Slogans gegen die Regierung sowie den Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Demonstration war der Höhepunkt dreitägiger Proteste im ganzen Land. Dabei hatten Arbeitslose Straßensperren errichtet.

Die Regierung will bis zum Jahresende 1,5 Milliarden US-Dollar (1,64 Mrd. Euro/22,6 Mrd. S) öffentliche Gelder einsparen. Das Paket sieht unter anderem eine 13-prozentige Kürzung der Renten sowie der Beamtengehälter vor. Argentinien ist seit drei Jahren in einer Rezession und im Ausland hoch verschuldet.

"Schluss mit dem Neoliberalismus!"

Ein Drittel der Bevölkerung von Buenos Aires unter der Armutsgrenze Buenos Aires/APA/dpa "Schluss mit den Einschränkungen und Schluss mit dem Neoliberalismus!", forderte einer der Leiter der Proteste, Luis D'Elia, bei einer Abschlusskundgebung vor dem Präsidentenpalast. Seit Wochen entlädt sich die Frustration über die jahrelange Wirtschaftskrise, wiederholte Gehaltskürzungen und die steigende Arbeitslosigkeit immer wieder in Straßenblockaden und fast täglichen Kundgebungen.

Die Regierung hofft, durch drastische Einschnitte bei den Ausgaben weitere Kredite vom Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhalten. Damit soll das Bankensystem gestützt werden. Finanzexperten warnen seit längerem vor der Gefahr eines Massenansturms der verunsicherten Bevölkerung auf die Banken. Im Großraum Buenos Aires leben mittlerweile ein Drittel der etwa zwölf Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze. (APA)

Share if you care.