Indonesien: Massengrab in Aceh entdeckt

17. August 2001, 16:01
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Identität der 48 Leichen unklar

Lhokseumawe - In der indonesischen Provinz Aceh hat die Polizei nach eigenen Angaben ein Grab mit 48 mutmaßlichen Opfern des Konfliktes zwischen der Unabhängigkeitsbewegung GAM und der Zentralregierung gefunden. Beide Seiten beschuldigten sich am Freitag der Täterschaft. In dem Konflikt gibt es keine Hinweise auf eine gütliche Einigung. Präsidentin Megawati Sukarnoputri schloss am Donnerstag, am Nationalfeiertag, nochmals die Unabhängigkeit für Aceh aus. In der Provinzhauptstadt Banda Aceh wurden am selben Tag 15 Bombenanschläge verübt. Es kam aber niemand zu Schaden.

Megawati will im September in Krisenprovinz reisen

Der Hinweis auf das Massengrab sei aus der Bevölkerung gekommen, sagte ein Polizeisprecher. In der Grube bei der Ortschaft Lohong hätten Polizisten und Soldaten 48 stark verweste Leichen gefunden. Es scheine sich um Zivilisten und Sicherheitskräfte gehandelt zu haben, die von der GAM umgebracht worden seien, sagte der Sprecher. Der GAM-Funktionär Abu Sofyan hingegen sagte, in dem Grab lägen Zivilisten, die das Militär umgebracht habe.

Präsidentin Megawati will Aceh Anfang September besuchen, um nach einem Ausweg aus der Gewalt zu suchen. Am Donnerstag entschuldigte sie sich bei den Menschen der Provinz für die Menschenrechtsverletzungen, die das Militär begangen habe. Mit dem Angebot größerer Autonomie stieß sie in Aceh nicht auf Gegenliebe. "Wir wollen Unabhängigkeit; Selbstverwaltung reicht nicht", sagte ein Geschäftsbesitzer in Lhokseumawe. "Das Militär ist sehr grausam", fügte er hinzu.

"Im Auge des Sturmes"

Der Repräsentant eines großen Unternehmens in Aceh hielt es für möglich, dass die Bewegung Freies Aceh (GAM) nach der Megawati-Rede die Streitkräfte zu Brutalitäten verleitet, um internationalen Rückhalt zu bekommen. "Wir befinden uns anscheinend im Auge des Sturmes", sagte er. Doch im Gegensatz zum annektierten Osttimor, das völkerrechtlich nie als Teil Indonesiens betrachtet wurde, gehörte Aceh immer zum Staatsgebiet. Nach Einbruch der Dunkelheit gehört Aceh der GAM. Dann explodieren Bomben, fallen Bäume und Strommasten auf die Straßen, die die Sicherheitskräfte morgens wieder wegräumen. Gewalt und Gegengewalt fordern ihren Tribut von der Wirtschaft. So legte Exxon Mobil vor fünf Monaten seine Erdgasförderung still.

Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass allein in diesem Jahr in Aceh 1500 Menschen umgebracht worden sind, die allermeisten von ihnen Zivilisten. Anfang August wurden auf einer Palmenplantage 31 Menschen erschossen. Polizei und Rebellen beschuldigen sich gegenseitig der Tat. (APA/Reuters)

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