Romantisierte Gesetzeshüter

16. August 2001, 22:29
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70er-Jahre-Krimi "Die Straßen von San Francisco": Verfolgungsjagden und Donuts

Wir nannten sie "Knollennase" und "fliegende Krawatte". Das war zwar gemein und kindisch, aber nicht ganz unbegründet. Karl Malden, damals besser bekannt als Leutnant Mike Stone von der San-Francisco-Mordkommission, hatte tatsächlich einen ziemlich ausgeprägten Gesichtsmittelpunkt, über den er sich auch ständig selber lustig machte.

Er gehörte aber zu ihm wie der Hut, den er bei jedem Wetter trug, und der Mantel, der ihn bei fast allen Ermittlungen begleitete. Seine fürsorgliche, manchmal besserwisserische Art, sein strategisches Denken machten ihn zur Vaterfigur, der jeder vertrauen konnte. Auch sein Partner Steve Heller (Michael Douglas), Inspektor und damals Lieblingsschwiegersohn aller Mütter, die "Die Straßen von San Francisco" (1972-1977) sahen. Heller erledigte die anstrengenden Arbeiten, lief Verdächtigen über Hinterhöfe hinterher, bis seine hässlichen breiten Dienstkrawatten ihm um die Ohren flogen. Er chauffierte die Limousine, wenn Stone und er einem Fluchtwagen hinterherjagten. Da standen die Autos nicht nur einmal quer, rammten die Straßenbahn oder flogen über die buckeligen Straßen der Stadt. Heller musste übrigens auch meist die Donuts und Hamburger holen, wenn der Hunger im Polizeiauto am größten war. Das nennt man Arbeitsteilung.

"Die Straßen von San Francisco", einst ein typischer Montagskrimi im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, heute wiederholt im Serienabspielplatz Kabel 1, dem man nun, vor allem auch wegen "Die Zwei" mit Tony Curtis und Roger Moore, den "Orden für Verdienste um die Fernsehgeschichte" verleihen sollte. Ein Montagskrimi wie die Anwaltserie "Petrocelli", wie Kojaks "Einsatz in Manhattan" oder die Abenteuer des zynischen "Detektiv Rockford".

Die Regisseure all dieser Serien bemühten sich um Realismus, so weit es in den frühen 70er-Jahren möglich war. Heute erscheinen Stone und Heller etwas romantisiert, wenn sie vor der Golden Gate Bridge stehen, über das Leben als Gesetzeshüter philosophieren und im Hintergrund die Sonne untergeht. Die Dialoge sind auch 25 bis 30 Jahre nach ihrer Fernsehpremiere noch immer nicht die schlechtesten. Sie waren sicher einer der Gründe für den Erfolg dieser Serie.

Es gab kaum ein Land, das "Die Straßen von San Francisco" nicht einkaufte. Und kaum einen Fernsehfreak, der fortan nicht wusste, wer Karl Malden, einst Theater- und Filmstar im Nebenrollenfach, und Michael Douglas, später Produzent ("Einer flog über das Kuckucksnest") und nun Hollywoodstar, waren. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 8. 2001)

Die Straßen von San Francisco, 16.20, Kabel 1, werktags
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