Siemens: Fagan-Klage nicht zugestellt

16. August 2001, 21:50
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US-Anwalt kündigt Millionen-Verfahren bereits zweites Mal an

Wien - Edward D. Fagan wird jetzt auch in Deutschland aktiv: Der umtriebige US-amerikanische Advokat kündigte am Donnerstag via Financial Times Deutschland eine Klage gegen die Siemens AG und deren österreichische Tochter an. Siemens-Produkte sollen laut Fagan im November 2000 die Seilbahnkatastrophe von Kaprun (155 Tote) mitverursacht haben. Für die Hinterbliebenen einiger Opfer fordert der US-Anwalt nun einige Hundert Millionen Dollar an Schadensersatz.

Klage wird zum zweiten Mal angekündigt

Allein: "Das ist dieselbe Klage, die Herr Fagan bereits Anfang Juli hier in Österreich angekündigt hat. Und die ist bis heute in den USA nicht ordnungsgemäß zugestellt worden", erklärte Michael Kochwalter, Generalsekretär bei Siemens Österreich, am Donnerstag dem STANDARD. Weiters gelte wie bereits im Juli: Fagans Vorwürfe seien aus der Luft gegriffen. Siemens habe die Fahrzeugsteuerung, drei 24-Volt-Batterien, den Schaltschrank sowie Steuerpulte für die Garnituren der Kapruner Standseilbahn geliefert. Das Licht- und Heizungsequipment (der verheerende Brand soll von einem Heizstrahler ausgegangen sein) stamme nicht vom Konzern, so Kochwalter.

Die Rechtssituation in den USA in der Causa bleibt weiterhin einigermaßen verworren: Mitte März gab Bundesrichterin Shira A. Scheindlin vom Distriktsgericht New York Süd zwar zwei Anträgen von Ed Fagan über die Untersuchung von Beweismitteln und die Vernehmung von Zeugen durch den Kläger statt. Eine allfällige Klage ist durch die Entscheidung Scheidlins aber noch nicht angenommen. Dies gilt auch für andere Verfahren, die die amerikanische Anwaltssozietäten Fagan&Associates, Kohn Swift&Graf, Nagel Rice Dreifuss&Macie im Namen von Kaprun-Hinterbliebenen anstrengen wollen.

Sieben angekündigte Klagsvorhaben

Derzeit gibt es sieben angekündigte Klagsvorhaben in den USA: Neben Siemens sollen unter anderem der Seilbahnbauer Leitner in Denver/Colorado, der Anlagenbauer Waagner-Biró in Anaheim/Kalifornien und die Metallbaufirma Swoboda in Orlando/Florida vor Gericht geladen werden.

Alle der genannten Unternehmen sind geschäftlich in den jeweiligen Bundesstaaten tätig. Das ist Voraussetzung für die Vollstreckung eines allfälligen Urteils in den Vereinigten Staaten. Denn nur bei Firmen mit Anlagevermögen oder offenen Forderungen sind jene Dollar-Millionen zu holen, die sich Fagan für seine Klientel vorstellt: "Diese Brandkatastrophe wird den Absturz der französischen Concorde als geradezu billig erscheinen lassen", sagte der Advokat der Financial Times Deutschland. (chr, DER STANDARD Print-Ausgabe 17.August 2001) )

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