Ali Ahmeti, politischer Chef der albanischen Rebellen in Mazedonien

16. August 2001, 19:55
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U¸CK-Mann der ersten Stunde

Alija Isam Ahmeti ist ein wichtiger Mann. Der politische Repräsentant der albanischen Rebellen in Mazedonien hat nun garantiert, dass sich seine Freischärler entwaffnen lassen werden. Damit ist er zu einer Schlüsselfigur am Balkan geworden.

Ali Ahmeti selbst hat das Abkommen zwar nicht persönlich unterzeichnet, doch die beiden albanischen Hauptverhandler, der charismatische Arben Xhaferi und Imer Imeris, sprachen jeden Schritt mit dem U¸CK-Repräsentanten ab. Nichts passierte ohne Ahmetis Wissen, alle Fäden liefen bei ihm zusammen. Dabei hat ihn die mazedonische Regierung noch vor wenigen Wochen als Kriegsverbrecher landesweit zur Fahndung ausschreiben lassen. Nach Den Haag, vor das Kriegsverbrechertribunal der UNO, wollte die Regierung ihn zerren.

Der 42-jährige Ahmeti stammt aus dem Dorf Zajas nahe der westmazedonischen Kleinstadt Kicevo. Schon in der Schule habe er davon gesprochen, den Staat Jugoslawien zu zerstören, erzählt sein jüngerer Bruder Fekri, damals habe man aber über diese wilden Ideen nur gelacht. Doch Zajas hat schon einmal Helden hervorgebracht, die heute noch hoch im albanischen Ansehen stehen: Mefail i Vogel und Mefail i Mail kämpften im Zweiten Weltkrieg erfolgreich gegen Tito-Partisanen; dass sie das im innigen Zusammenwirken mit der SS-Division Skanderbeg taten, wird nicht so stark betont.

Ahmeti ließ jedenfalls die heimische Scholle hinter sich und ging in den Kosovo, auf die Universität nach Pristina, wo er erfolglos Pädagogik studierte. Er wurde Mitglied der sezessionistischen Organisation "Marxisten-Leninisten des Kosovo", was ihm einige Monate Gefängnis einbrachte.

Ahmeti flüchtete in die Schweiz und traf dort auf eine erstaunlich gut organisierte albanische Gemeinde. Er trat der illegalen "Bewegung für eine albanisch-sozialistische Republik in Jugoslawien" bei, aus der sich im Laufe der Zeit die "Befreiungsarmee für den Kosovo" (U¸CK) entwickelte. Ahmeti, über dessen Familienstand nichts bekannt ist, war von Anfang an dabei.

Als sich die U¸CK nach der Nato-Intervention im Kosovo 1999 offiziell auflöste, schlug erneut Ahmetis Stunde. Er klonte die alte Truppe unter altem Namen, und die U¸CK wurde seit Beginn dieses Jahres in Mazedonien aktiv.

In der Bevölkerung ist Ahmeti angesehen. Immerhin hat er binnen Monaten geschafft, wovon die gewählten albanischen Politiker jahrelang nur geredet hatten: Ahmeti, von dem man nicht weiß, wer hinter ihm steht und ihn finanziert, verbesserte schlagartig die Rechte der Albaner.

Nun fragt sich der Studienabbrecher öffentlich, ob er eine politische Laufbahn einschlagen soll. Eine Antwort darauf hat er sich noch nicht gegeben. (DER STANDARD, Print, 17.8.2001)

Gerhard Plott
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