"Effekte der Ausländerintegration"

17. August 2001, 07:00
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Die wichtigsten Erkenntnisse und Details aus der Studie des Wirtschaftsförderungs- institutes

  • Anteil der Ausländer: Derzeit sind in Österreich rund 750.000 Ausländer wohnhaft, das ergibt einen Anteil an der gesamten Wohnbevölkerung von 9,2 Prozent. 640.000 Menschen sind Drittstaatsangehörige, 110.000 EU-Bürger. Rechnet man noch jene Menschen hinzu, die nicht in Österreich geboren sind, aber bereits die österreichische Staatsbürgerschaft haben, kommt das Wifo auf einen Anteil von 13 Prozent und damit auf einen absoluten Spitzenwert in Europa. Andererseits sind 23 Prozent aller in Österreich wohnenden Ausländer bereits von klein auf im Land.

    Zwei Drittel aller Drittstaatsangehörigen sind schon länger als fünf Jahre in Österreich, ein Viertel mehr als zehn Jahre. Daraus ergibt sich, dass immer mehr Drittstaatsangehörige in den nächsten Jahren Rechtsanspruch auf Einbürgerung haben werden.

  • Bildungsstruktur: Jugendliche aus Drittstaaten sind primär auf die untersten Bildungsstufen konzentriert. Das heißt, dass sie früher auf den Arbeitsmarkt gehen, allerdings als unqualifizierte Arbeiter. Während 25 Prozent der österreichischen Männer und 33 Prozent der Frauen keinen oder nur einen Hauptschulabschluss haben, sind das bei jugoslawischen Bürgern in Österreich mehr als 50 Prozent und bei türkischen sogar mehr als 75 Prozent. Kinder von Migranten landen häufig in Sonderschulen, sie machen dort 23,1 Prozent aus.

    Im universitären System finden sich mit einem Anteil von 13 Prozent überdurchschnittlich viele Ausländer, allerdings kommen sie von "irgendwo" her, also aus der EU oder beispielsweise Japan. Der Anteil von Kindern von Arbeitsimmigranten ist aber äußerst gering.

  • Arbeitskräfte: Ausländer gelten, so das Wifo als die wichtigste "Flexibilitätsreserve" am Arbeitsmarkt. Das heißt lediglich, dass sie die Ersten sind, die gekündigt werden, wenn es der Wirtschaft nicht gut geht. Im Jahr 2000 waren 319.900 Ausländer in Österreich unselbstständig beschäftigt, das sind etwa zehn Prozent aller unselbstständig Beschäftigen.

  • Wirtschaftsbranchen: Zwei Drittel aller Ausländer sind auf sechs Branchen konzentriert: Bauwirtschaft, Tourismus, Handel plus Reparaturwesen, unternehmensorientierte Dienste, Erzeugung und Verarbeitung von Metallen sowie Verkehr und Nachrichtenübermittlung. In diesen Branchen arbeiten in Summe etwa nur die Hälfte aller Inländer. In der Land-und Forstwirtschaft gelten Ausländer vor allem als "Anpassungspuffer".

  • Erwerbsquoten: Die neuen Zuwanderer wie EU-Staatsbürger, Personen aus den östlichen Nachbarländern sowie Personen aus dem früheren Jugoslawien sind in hohem Maße berufstätig. Ihre Erwerbsquoten liegen zum Teil deutlich über denen der Österreicher. Türkische Staatsbürger haben eine unterdurchschnittliche Erwerbsquote.

    Im Schnitt lag die Erwerbsquote der Ausländer um vier Prozentpunkte unter der der Österreicher. Da Ausländer in geringerem Maße als Inländer Anspruch auf längerfristige finanzielle Unterstützung haben, sind viele Arbeitswillige in der so genannten stillen Reserve und werden nicht in der Erwerbsquote berücksichtigt.

  • Einkommen: Die mittleren Löhne von in Österreich beschäftigten ausländischen Männern lagen zwischen 1989 und 1999 um durchschnittlich 24,5 Prozent, die der Frauen um durchschnittlich 22,2 Prozent unter den entsprechenden Werten für österreichische Arbeitnehmer.

  • Arbeitslosigkeit: Die Zahl der Arbeitslosen lag 2000 bei 194.314. Davon sind 25.800 Ausländer. Die Arbeitslosenquote liegt bei Inländern bei 5,7 Prozent, bei Ausländern bei 7,5 Prozent.

  • Schwarzarbeit: Hier gibt es nur grobe Schätzungen. Während zehn Prozent der Inländer der Schwarzarbeit nachgehen, sind es bei den Ausländern etwa elf bis zwölf Prozent. Nach Erkenntnissen des WIFO sind in Österreich 10.000 Ausländer völlig illegal aufhältig, die der Schwarzarbeit nachgehen.

  • "Kosten und Nutzen": Die Pensionseinzahlungen nicht mitgerechnet zahlen Ausländer in das Sozialsystem mit 26 Milliarden Schilling so viel ein, wie sie daraus beziehen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 17.8.2001)
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