UNO vs. USA: Gehäufte Komplikationen

16. August 2001, 19:12
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In den chronisch vertrackten Beziehungen zwischen UNO und USA häufen sich die Komplikationen. Zum einen lehnen einige Demokraten im Senat den von Präsident Bush zum UN-Botschafter erkorenen John Negroponte ab, weil dieser in den 80er-Jahren als Missionschef in Honduras Berichte über Menschenrechtsverletzungen zurückgehalten haben soll. Auch pekuniärer Ärger steht an: Die Mittwoch von einem UNO-Sprecher händeringend vorgetragene Bitte, die Beitragsschuldner mögen ihren Verpflichtungen nachkommen, richtete sich vor allem an Washington. 64 Prozent der UNO-Außenstände gehen aufs Konto der USA - und die signalisieren zurzeit in internationalen Belangen keinen übertriebenen Zahlungswillen. Anders als beim Kioto-Protokoll sitzen die Blockierer diesmal nicht im Weißen Haus. Bush, der in einem Monat erstmals vor der UNO-Vollversammlung auftritt, hat ein persönliches Interesse daran, das Rednerpult nicht mit dem Odium des säumigen Schuldners zu betreten und die Außenstände gemäß einem noch unter Bill Clinton ausgearbeiteten Ratenplan zu begleichen. Im Repräsentantenhaus droht aber eine Abgeordnetengruppe die Obstruktion der Zahlungen an, wenn nicht zugleich ein Gesetz verabschiedet wird, das US-Staatsbürger von der Zuständigkeit des geplanten UN-Strafgerichtshofs ausnimmt.

Damit entsteht der Eindruck, dass in den spärlichen Bereichen, wo sich Bush von seiner weltmännischeren Seite zeigt, sogleich der Kongress in die Bresche springt, um jeden Verdacht eines frivolen Internationalismus zu zerstreuen. Einer neuen Studie zufolge sind übrigens Amerikaner in der UNO-Bürokratie klar unterrepräsentiert, weil solche Posten als prestige- und einflussarm gelten: angesichts des wenig pfleglichen Umgangs der USA mit der UNO keine sehr überraschende Entwicklung. (DER STANDARD, Print, 17.8.2001)

Christoph Winder
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