Malaysia als neue Basis des Islamismus

16. August 2001, 19:04
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Schreckgespenst eines islamischen "Terrorgürtels" von den Philippinen bis Indonesien

Jakarta/Kuala Lumpur/Wien - Seit dem Sturz des indonesischen Präsidenten und Muslimführers Abdurrahman Wahid werden die Bewohner in Indonesiens Hauptstadt Jakarta durch eine neue Serie von Bombenanschlägen auf Kirchen und Geschäfte terrorisiert. Als Anfang August auch in einem Einkaufszentrum der Hauptstadt eine Bombe explodierte und fünf Kunden verletzte, hatte die Polizei zumindest ihren ersten Verdächtigen: Jakartas Polizeichef stellte diese Woche einen Mann namens "Dani" als mutmaßlichen Beteiligten vor. "Dani", der bei dem Anschlag ebenfalls verletzt wurde und in einem Krankenhaus behandelt wird, soll einer Gruppe militanter Islamisten aus dem Nachbarland Malaysia angehören. Mit einem Mal nimmt damit die Bedrohung durch einen islamistischen "Terrorgürtel" in Südostasien Gestalt an, der sich über die Philippinen und Malaysia bis nach Indonesien erstreckt.

So ist die kleine, so genannte "Djihad-Gruppe", der "Dani" angehört, angeblich auch in die blutigen Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen auf den indonesischen Molukken verstrickt. Malaysias Botschaft in Jakarta gab unterdessen an, dass ihr die Islamistengruppe bekannt sei - die Männer seien aus Malaysia geflüchtet. Die malaysische Regierung wiederum nahm vergangene Woche selbst zehn angebliche Islamisten fest, die Teil einer in Afghanistan ausgebildeten Gruppe sein sollen.

Der seit zwei Jahrzehnten autokratisch herrschende malaysische Premier Mohamad Mahathir hat dabei selbst ein gewisses Interesse, das Schreckgespenst des Islamismus am Leben zu erhalten: Wenigstens bis zu den nächsten Wahlen 2004 will der 75-Jährige weiter regieren und die Mehrheit der Bevölkerung von gemäßigten Muslimen, Christen und Buddhisten hinter sich halten. Andererseits trifft die größte muslimische Partei im Land, die Parti Islam se-Malaysia (PAS), nun ernsthafte Anstalten, bei ihrem am Wochenende beginnenden Parteitag die Errichtung eines islamischen Staats in Malaysia als neues politisches Ziel zu verkünden.

Die PAS, die zusammen mit der größten Partei der chinesischen Gemeinschaft, der Partei der Demokratischen Aktion (DAP), die Opposition in Malaysia bildet, regiert bereits zwei Bundesstaaten im Norden des Landes. Sie hat dort etwa Glücksspiele verboten und den Alkoholverkauf eingeschränkt. Sollte die PAS nun den islamischen Staat zum Programm erheben, wird ihr Zweckbündnis mit der anderen Oppositionspartei DAP zerbrechen.

Die Gefahr eines islamistischen Terrors aus Malaysia weckt derweil gar nicht so alte Antipathien in Indonesien: "Crush Malaysia!", "Zerstört Malaysia", hieß ein Slogan der 60er-Jahre, als Jakarta die Unabhängigkeit Malaysias nicht akzeptierte. (DER STANDARD, Print, 17.8.2001)

Markus Bernath
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