Die Sau hat Schwein gehabt

16. August 2001, 19:24
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Eine skurrile "ex.rosa"- Performance in Ritzing

Ritzing - Beim burgenländischen Ritzing befindet sich das "Kunstland Rajistan" mit einer Fläche von 0,004 Quadratkilometern und derzeit ca. sieben Einwohnern. Rajistan hat eine schweinhuldigende Staatsform, Staatsoberhaupt ist der achtjährige Eber Raji, sein Grunzen ist Grundlage der rajistanischen Verfassung. Hauptwirtschaftszweig sollen grenzgängerische Kunstprojekte sein, und mit einem solchen Projekt, der Performance so eine schweinerei - röff röff wird das Kunstland am Freitag um 20 Uhr eröffnet.

Regie führt Thomas Wackerlig, Gründer und Leiter der Gruppe ex.rosa, die sich diesmal aus 20 Künstlern zusammensetzt. Wackerlig geht von der ambivalenten Haltung aus, welche der Mensch dem Schwein gegenüber einnimmt: Einerseits steht es ("du Sau") für unangenehme humanoide Eigenschaften, andererseits ist es ("Schwein gehabt") ein Glückssymbol.

Vor einem "Grunz-Soundteppich" wird da - neben positiven und negativen Beispielen für Tierhaltung - ein "Aggressivwerbespot für den Kapitalismus" gezeigt (Stichwort "Geldsau"), man kann bei der Abschiebung von Flüchtlingen ("arme Schweine") oder einer bürgerlichen Frau zusehen, die - über die Toleranzgrenze hinaus - "die Sau rauslässt". Währenddessen wird auf ein Zeichen gewartet - und zwar von Raji persönlich. Dieser sollte irgendwann erscheinen und eine symbolträchtige Handlung vollziehen. "Essen wahrscheinlich", meint Wackerlig. Raji ist kein gewöhnliches Schwein, sondern an sich schon ein Kunstwerk: Als Ferkel wurde er 1994 in der Akademie am Schillerplatz als Teil der Diplomarbeit von Pepo Pekovits akzeptiert.
(wps/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 8. 2001)

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