Löscharbeiten nur von außen möglich

16. August 2001, 19:25
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In der Blattgasse nur noch eine Außenwand vorhanden

Wien - Am späteren Nachmittag wurde das Ausmaß des Schadens, in den Wiener Sofiensälen immer deutlicher: Auch der Rest der bereits eingestürzten Decke erwies sich als gefährdet. Die Feuerwehr zog sich aus dem Gebäude zurück und konnte die Flammen nur noch von außen bekämpfen.

"Das Risiko ist zu groß", sagte Einsatzleiter Hauptinspektionsoffizier Fritz Lerch. Es müsse damit gerechnet werden, dass auch der Rest der Decke einstürzt.

"Wie ein potemkinsches Dorf"

Die einst prachtvollen Sofiensäle bieten ein trauriges Bild: Von der Hausseite in der Blattgasse beispielsweise stand gegen Abend nur noch die Außenwand. "Wie ein potemkinsches Dorf", sagte ein Passant. Löschwasser strömte über die verrußte Fassade. Die Feuerwehr bekämpfte nur noch einem Rohr von oben Reste des Feuers.

Trotz des beißenden Rauchs fanden sich zahlreiche Schaulustige ein. Von einem Dachgarten auf einem Gebäude gegenüber der "Sofie" beobachtete eine Gruppe in Badehosen die Löscharbeiten.

Die Rettung war mit zwölf Einsatzwagen an Ort und Stelle. Vier davon waren Spezialfahrzeuge.

Starke Rauchentwicklung

Die Behörden hatten am Nachmittag begonnen, wegen der starken Rauchentwicklung die Häuser in drei angrenzenden Straßenzügen zu evakuieren. Die Bewohner der Seidlgasse, der Blattgasse und der Kegelgasse wurden im Bereich des Brandortes in Sicherheit gebracht.

"Notunterkünfte"

Die Wiener Linien fuhren in einer Seitengasse mit Autobussen auf, die den Menschen als vorläufige "Notunterkünfte" dienen sollten. Wer Habseligkeiten aus seiner Wohnung holten wollte, durfte das nur in Begleitung eines Beamten tun.

Wind entfachte immer wieder das Feuer

Große Probleme bereitete den Feuerwehrleuten der Wind, der immer wieder stark auffrischte und die Richtung drehte. Die Flammen wurden dadurch wiederholt angefacht. Die Windsituation war laut Lerch streckenweise "sehr dramatisch". Insgesamt vier Feuerwehrmänner haben leichte Verletzungen - es bestand Verdacht auf Rauchgasvergiftungen - erlitten.

Matthias Fletzberger, Manager bei der KulturConsult, die den Veranstaltungsort betreibt, befürchtete gegenüber, dass von dem historischen Gebäude nur noch die Grundmauern stehen bleiben werden. Das Schadenausmaß sollte ein Statiker prüfen, der konnte aber vorerst ebenso wenig ins Haus wie die Feuerwehr.

Sonja Soukup, Geschäftsführerin der KulturConsult, schätzte den Schaden, der allein ihrer Firma nur durch wegen des Feuers nicht erfüllbaren Verträgen und zerstörten Investitionen entstanden sei, auf zehn bis 15 Millionen Schilling - unabhängig vom Gebäudeschaden. (APA)

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