Sofiensäle: Vom Dampfbad zum Veranstaltungsort

17. August 2001, 07:31
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Jüngste Pläne: Ausbau zu Kongress-Hotel ab 2002

Wien - Die Sofiensäle in der Marxergasse 17 in Wien-Landstraße wurden 1826 von dem Tuchscherergehilfen Franz Morawetz und seiner Frau als Dampfbad und Badehaus errichtet. Das Schwimmbad wurde so angelegt, dass auf der 600 Quadratmeter großen Fläche auch im Winter Tanz- und Musikveranstaltungen im selben Saal abgehalten werden können. Johann Strauß Vater dirigierte hier z.B. im Jänner 1848 den Eröffnungsfestball. 1853 startete der Franzose Godard vom Garten aus zur ersten Fahrt mit einem Heißluftballon in Österreich.

Name von Erzherzogin Sofie

Den Namen "Sofiensäle" erhielt das Haus, da während einer Kur eine Kammerfrau der Erzherzogin Sofie dort wieder gesundete. Im Jahr 1906 wurde zwar der Badebetrieb eingestellt, als Unterhaltungs- und Vergnügungslokal wurden die Sofiensäle aber weiterhin genutzt. Nach dem Krieg wurde das Haus 1948 umfangreich saniert und erneuert.

Veranstaltungsort für diverse Clubbings

In den vergangenen Jahren waren die Sofiensäle - wiewohl baulich immer desolater werdend - als Veranstaltungsort für diverse Clubbings kommerziell erfolgreich. Ein Beispiel sind die "Wickie, Slime & Paiper"-Feste, bei denen sich in dem denkmalgeschützten Saal bis zu 3.000 Party-Gäste zu den Rhythmen der siebziger Jahre bewegten. In den Sofiensälen konzertierte auch Herbie Hancock im Rahmen des diesjährigen Jazz Festes Wien. Zuletzt, nämlich am 8. August, waren die Sofiensäle Schauplatz der außerordentlichen Hauptversammlung der in Ausgleich befindlichen Buch-, Papier- und Medienhandelskette Libro.

Umbaupläne

Erst im Mai wurde nach jahrelangen Diskussionen um die weitere Verwendung des historischen Komplexes beschlossen, einen Teil des Gebäudes ab Frühling 2002 zu einem Kongress-Hotel samt Garage umzubauen. Vorgesehen war, den Großen Saal - in dem sich seit Anfang der neunziger Jahre zwischen den Lustern die Discokugel drehte - zu renovieren und als Veranstaltungsraum zu erhalten.

Besonder Akustik

Der Saal, der unter dem Fußboden einen unvergleichlichen Resonanzkörper in Form des alten Schwimmbades hat, funktioniert wie der frei schwingende Boden einer Geige. Diese besondere Akustik des Saales wollte man erhalten. (APA)

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