Bis 2010 nur noch zehn Autohersteller

19. August 2001, 19:20
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DaimlerChyrsler, GM oder Ford sollten den darwinistische Überlebenskampf überleben

München - Bis zum Ende dieses Jahrzehnts werden nach einer Studie weltweit höchstens zehn unabhängige Automobilhersteller übrig bleiben. Zu den Kandidaten, die im Kampf um die neuen Märkte in Osteuropa, Südamerika und in Asien ihre Unabhängigkeit verlieren dürften, gehöre auch Fiat, sagte Guido Schacht, der die mit der Unternehmensberatung Mercer Management Consulting erstellte Studie für die HypoVereinsbank AG betreut hat, am Donnerstag in München.

Die besten Überlebenschancen gibt die Studie DaimlerChyrsler, GM, Ford, Toyota, VW, Renault/Nissan und BMW. Ähnlich stark wird die Konzentration bei den Auto-Zulieferern ausfallen: Von 5.500 Unternehmen blieben dort voraussichtlich gerade noch 3.500. Im Jahr 1970 habe es noch 36 Automobilkonzerne gegeben, im vergangenen Jahr zählte die Branche noch 15 Vertreter. In der Zwischenzeit ist DaimlerChrysler bei Mitsubishi Motors eingestiegen.

Deutsche Konzerne gut gerüstet

Den großen Autokonzernen in Deutschland gibt die Studie gute Chancen, ihre Selbstständigkeit zu bewahren. "(Sie) sind bestens gerüstet, diese Phase der Strukturanpassung maßgeblich zu gestalten", erklärte HVB-Bereichsvorstand Karl-Ralf Jung. Nur hinter die Zukunft des Stuttgarter Luxusautoherstellers Porsche setzen ihre Herausgeber ein Fragezeichen. Auch Honda und die französische PSA (Peugeot und Citroen) könnten dem Strudel der Konzentration zum Opfer fallen. In der Branche, die in diesem Jahr rund 2,45 Billionen Euro umgesetzt habe, liege ein enormes Potenzial, das von der technologischen Entwicklung getrieben werde.

Autos würden in den kommenden zehn Jahren 30 Prozent leiser, der Flottenverbrauch werde angesichts der harten Auflagen in den USA und in Europa um 15 Prozent sinken. Schon im laufenden Jahr müsse DaimlerChrysler wegen des zu hohen Verbrauchs in den USA mit 20 Millionen Dollar Strafe rechnen. Den Durchbruch für die Brennstoffzelle erwarten die Autoren der Studie jedoch erst 2015. Neue Schlüsselmärkte würden China, Osteuropa und Südamerika. "Wer in diesen Ländern keine Kapazitäten oder keine Kompetenzen aufbaut, wird eigenständig nicht überleben", sagte Schacht. Die Studie schätzt die notwendigen Anlageinvestitionen auf rund 100 Milliarden Euro.

Zulieferindustrie muss konzentrieren

Einen enormen Konzentrationsprozess sehen HypoVereinsbank und Mercer auf die Zuliefer-Branche zukommen. Die Hersteller würden große Teile der Wertschöpfung auslagern und ihre eigene Fertigungstiefe damit weiter verringern. Damit verbunden werde eine große Wanderung von Arbeitskräften von den Herstellern zu den Zulieferern. "Die Top 20 werden dann 50 Prozent (heute 27 Prozent) des Zuliefervolumens der Automobilhersteller abdecken", heißt es in der Studie weiter. Der Anteil von Elektronik und von Software an den Kosten für ein Fahrzeug werde auf 35 Prozent von derzeit 22 Prozent steigen. 13 Prozent entfielen dann allein auf Software.

Das Marktvolumen werde bis 2010 bis zu 270 Millionen Euro erreichen. Hier sehen die Autoren der Studie noch Defizite. "Die meisten Zulieferer sind für eine derartige Entwicklung noch gar nicht gerüstet", sagte Schacht. Die Folge seien Akquisitionen und Fusionen zu Autozuliefer-Konzernen mit hohen zweistelligen Milliarden-Umsätzen und mehr als 100.000 Mitarbeitern. Von den 2.000 Ausrüstern der Autoindustrie geben Mercer und die HVB 1500 eine Überlebenschance. Im Nachteil seien Zulieferer, die sich nur auf konventionelle Technologien spezialisiert hätten, die - wie etwa Nockenwellen - von 2005 an durch elektronische Systeme ersetzt würden. (APA/Reuters)

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