Wie Schiffe besser evakuiert werden können

21. August 2001, 12:20
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Neuer Simulator demonstriert realitätsnahe Bedingungen

Ottawa - Brände oder Kollisionen von Passagierschiffen können tragisch enden. Rauch, der die Sicht begrenzt oder ein Schiff mit Schlagseite lassen Passagieren oft keine Möglichkeit zur rechtzeitigen Flucht. Ingenieure der kanadischen Firma Fleet Technology aus Kanata/Ontario entwickelten jetzt einen Simulator, der unter realitätsnahen Bedingungen demonstriert, warum Evakuierungen manchmal schief gehen. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten beim Bau neuer Schiffe einfließen, schreibt das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Wie wichtig die rasche Evakuierung eines Schiffs ist, ist spätestens seit dem Untergang der Titanic im Jahre 1912 bekannt. Eine internationale Seerechtskonvention schreibt seitdem vor, dass sich ein Schiff in weniger als 60 Minuten räumen lassen muss - nach Ansicht von Experten fast unmöglich. Auch Notfallübungen zeigten, dass eine Stunde zu gering bemessen ist. Wie die Rettung besser organisiert werden kann - insbesondere dann, wenn wie bei vielen Kreuzfahrten zumeist Senioren an Bord sind - soll der kanadische Simulator zeigen. Er besteht aus einem langen Gang und einer Treppe mit 21 Stufen. Hydraulische Hebevorrichtungen erlauben die Simulation einer Schlagseite bis zu 20 Prozent. Rund 200 Testpersonen im Alter von vier bis 81 Jahren ließen die Ingenieure bislang bei verschiedenen Schlagseiten den Gang entlang laufen. Ein optischer Sensor, der mit einem Computer verbunden ist, registrierte deren Geschwindigkeit. Fünf Videokameras verfolgten die Flucht.

Bisherige Ergebnisse: Zehn Grad Schlagseite behinderten die Evakuierung nahezu nicht. Bei stärkerer Neigung mussten sich die Passagiere an die Wände klammern um vorwärts zu kommen. Dies verminderte die Geschwindigkeit, da sich langsamere Menschen nicht mehr überholen ließen, sagte Ian Glen, Präsident von Fleet Technology. Zudem behinderten Rettungswesten die Sicht beim Gehen. Weitere Tests sollen zeigen, wie Menschen aus rauchgefüllten Gängen entkommen können. Rettungskräfte hatten beim Brand der dänischen Fähre Scandinavian Star im Jahre 1990 13 Tote entdeckt, die einen nur drei Meter entfernten Ausgang nicht gefunden hatten. (pte)

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