Regierungskrise in Belgrad: Vizepremier warnt vor Anarchie in Serbien

16. August 2001, 14:37
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Momcilo Perisic sieht in laufender Destabilierung erhebliche Gefahren

Belgrad - Die Destabilisierung der serbischen Regierung könnte zur Anarchie und zu Bürgerkrieg führen, warnte der serbische Vizepremier und Vorsitzende der Bewegung für ein demokratisches Serbien (PDS), Momcilo Perisic. Viele Menschen würden nicht verstehen, was sich in der Regierung abspiele und würden diese nur "pauschal und ohne Argumente angreifen", wurde Perisic am Donnerstag von der Belgrader Nachrichtenagentur Beta zitiert.

Der jugoslawische Staat funktioniere nicht effizient, es gebe keine stabile Bundesregierung und auch die Regierung Montenegros sei "außer Kontrolle". Wenn nun auch die serbische Regierung destabilisiert werde, "dann werden wir eine äußerst instabile Situation haben, die in die Anarchie und dann zum Bürgerkrieg" führen könnte. Solch ein Szenario würden sich "viele außerhalb und innerhalb der Grenzen Jugoslawiens wünschen". Die serbische Regierung müsse dies aber in jedem Falle verhindern, betonte Perisic.

Der PDS-Führer fügte hinzu, dass es in Serbien noch starke "parastaatliche Zentren" aus dem Regime des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic gebe. Diese suchten jetzt politischen Schutz in der neuen Regierung, um ihr Kapital zu schützen. "Diese in der Kriminalität verkörperten Reste des vergangenen Regimes" würden parallele Machtzentren bilden, die potentiell sehr gefährlich für den Staat und dessen Stabilität sein könnten, so Perisic.

Er appellierte an die Behörden, so schnell wie möglich den Mörder des ehemaligen Mitarbeiters des serbischen Staatssicherheitdienstes, Momir Gavrilovic, zu finden. Sollte dies nicht gelingen, würden die Bürger den Eindruck erhalten, dass "die Mafia stärker als der Staat" sei. Der "Fall Gavrilovic" sei schon sehr politisiert und einige Parteien hätten den Mord "schändlich" für ihre Zwecke genutzt, so Perisic. (APA)

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