Wiener Sofiensäle abgebrannt

16. August 2001, 22:12
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In der Blattgasse nur noch eine Außenwand vorhanden - Gebäude nicht mehr zu retten

Wien - Die Sofiensäle, einer der traditionsreichsten Veranstaltungsorte Wiens, wurden am Donnerstag ein Raub der Flammen. Die Ursache: Das Dach hatte geleckt und sollte unter anderem mit einer neuen Dachpappe saniert werden. Bei diesen Flämmarbeiten bildete sich ein Schwelbrand im Dachgebälk - Alarm schlugen erst Musiker, die zu Plattenaufnahmen im Großen Saal waren und sich von Rauchwolken umgeben sahen.

Alarmstufe 5

Die Wiener Feuerwehr rief Alarmstufe 5 aus - insgesamt standen 150 Feuerwehrmänner im Einsatz. "Jetzt fängt's erst richtig an", bemerkte einer von ihnen, als die weithin sichtbare Rauchsäule am Nachmittag eine schwarze Färbung annahm.

Wenig später stürzte dann das 150 Jahre hölzerne Dachgebälk in die Tiefe. Die Flammen erfassten den Großen Saal, der Tanzboden geriet in Brand und stürzte in die darunter liegende zweieinhalb Meter tiefe Betonwanne des ehemaligen Schwimmbades.

Vier Feuerwehrleute erlitten "leichte" Rauchgasvergiftungen

Die Feuerwehr bekämpfte die Flammen vorerst über Drehleitern aus allen vier Himmelsrichtungen. Als das Dach in die Tiefe gestürzt war, wurden mit Sauerstoffflaschen ausgerüstete Mannschaften ins Gebäude geschickt. Bei den Löscharbeiten erlitten vier Feuerwehrleute "leichte" Rauchgasvergiftungen - sie konnten aber bereits vor Ort versorgt und wieder entlassen werden. Ein Bauarbeiter wurde leicht verletzt und vorsorglich ins Krankenhaus gebracht, die Ärzte konnten aber rasch Entwarnung geben. Die umliegenden Häuser wurden vor allem des Rauches wegen evakuiert.

Die Sofiensäle in der Marxergasse wurden 1826 von Franz Morawetz und dessen Frau als Badehaus errichtet. Den Namen "Sofiensäle" erhielt das Haus, da während einer Kur eine Kammerfrau der Erzherzogin Sofie dort gesundete. Das Schwimmbad wurde so angelegt, dass auf der 600 Quadratmeter großen Fläche auch Veranstaltungen abgehalten werden konnten. Johann Strauß Vater dirigierte 1848 den Eröffnungsball - der Badebetrieb wurde 1909 eingestellt. In den Sofiensälen fanden Konzerte, der Bonbonball, das Ökista-Gschnas und zuletzt Clubbings statt. Die letzte Nutzung vor dem Großbrand: die Libro-Hauptversammlung am 8. August.

Die Umbaupläne

Ehrgeizigen Umbauplänen stand seit Jahren der Denkmalschutz gegenüber. Im Mai wurde beschlossen, einen Teil des Gebäudes zu einem Kongresshotel umzubauen. Das Haus sei versichert, erklärte Sofiensäle-Manager Matthias Fletzberger. Er überlegt allerdings auch, ob sich sein Unternehmen unter Umständen an jener Baufirma schadlos halten soll, die die Flämmarbeiten am Dach durchgeführt hat. (frei/aw, DER STANDARD Print-Ausgabe 17.August 2001)

Bilder zu den brennenden Sofiensälen

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