"Anatomische Schichten" von Barbara Graf

16. August 2001, 20:24
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Ausstellung über "anatomische Gewänder und Körperobjekte"

Die in Wien und Kairo lebende Schweizer Künstlerin Barbara Graf zeigt von 17. bis 31. August im WUK Projektraum Stücke aus ihrer Kollektion "Anatomische Gewänder und Körperobjekte", die zwischen 1996 und 2001 entstanden sind.

Körperskulpturen

Ein zentrales Prinzip in den Arbeiten Barbara Graf's ist das Bedecken und Blosslegen, die Verschiebung von Körperschichten, das Separieren in Einzelteile und das Überführen in das temporär Ganze. Aus Karton oder Stoff zugeschnitten Körperskulpturen breiten sich über die Wände des Projektraums aus, in den Raum gehängt oder aufgespannt bilden sie durchlässige Schichten.

Varietät von zwei- und dreidimensionaler Formen

Exemplarisch für die Flexibilität, für das anatomische skulpturale Prinzip steht die Arbeit "Multiple function elements": Die Grundeinheit besteht aus spiegelsymmetrischen Hälften; diese sind aus der Form der zwei Chromatiden abgeleitet, welche zusammen das Chromosom bilden. Jedes Element birgt in sich die ganze Varietät von zwei- und dreidimensionaler Formen, die daraus gebildet werden können. Die Elemente beziehen sich auf kleinste Teile des menschlichen Organismus; gleichzeitig werden sie zur Makrostruktur und bedecken den Körper: sechs Grundeinheiten formen ein Jackett - vier Grundeinheiten bilden das Crossing-over, die Rekombination der Chromatiden bei der Zellteilung - mehrere Elemente werden zu einer Wirbelsäule - oder beliebig viele Elemente breiten sich auf der Wand zu einem abstrakten Muster aus.

Rückzugsort für Idenditätskonstrukte

Ist einmal die Abwesenheit des Leibes das Themas, indem er eine leere Hülle hinterlässt tritt der Körper alsbald mit irrtierender Präsenz und analytischer Präsizion in den Raum. Der Körper ist nicht mehr ein Rückzugsort für Idenditätskonstrukte - er ist nicht nur antastbar geworden, sondern die Grenzen von natürlichem und kulturellem Körper verschieben und lösen sich stetig mehr auf.

Die wissenschaftlich-technisch gezeichneten Gebrauchsanweisungen dienen zum Zusammenfügen und späteren Zerlegen der Körperskulptur, in der dazugehörigen Tasche wandelt sie sich zu einem nomadischen Handgepäck. Mit beeindruckender Komplexität und formaler Genauigkeit zeigt Barbara Graf in der Ausstellung "Anatomische Schichten" eine Position von flexibler Skulptur, irritierend - poetisch - vielschichtig. (red)

Vernissage:
16. August 2001, 19.30 Uhr

Ausstellung:
17. August bis 31. August 2001 Ort:
WUK PROJEKTRAUM, Währingerstrasse 59, A-1090 Wien

Öffnungszeiten:
Di – Fr 14.00 bis 19.00 Uhr, Sa 10.00 bis 14.00 Uhr

Infos:
www.CHinA2001.at
  • Artikelbild
    foto: graf
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