Erneut Exhumierung von Leichenteilen von Kaprun-Opfern gefordert

16. August 2001, 13:13
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Anwälte wollen Antrag bei Bezirksverwaltungsbehörde auf Enterdigung stellen

Salzburg - Das Landesgericht Salzburg hat die Exhumierung von Leichenteilen von Opfern des Seilbahnunglücks von Kaprun am Kommunalfriedhof Salzburg abgelehnt. Weder für die Suche nach der Unglücksursache noch für die Identifizierung der 155 Opfer vom 11. November vergangenen Jahres sei eine Exhumierung von Bedeutung, hieß es in der Begründung.

Antrag auf Enterdigung

Jetzt wollen Anwälte einen neuerlichen Anlauf unternehmen und einen Antrag bei der Bezirksverwaltungsbehörde auf Enterdigung stellen, wie der Salzburger Advokat Jürgen Hinterwirth (Kompagnon von Ed Fagan und Michael Witti) am Donnerstag bei einem Pressegespräch erklärte.

Bestattung im März

Die Leichenteile waren im März in einem Kindersarg in einem Sozialgrab auf dem Salzburger Stadtfriedhof bestattet worden. Das Team um Fagan - es vertritt mittlerweile laut Hinterwirth rund 90 Angehörige von Opfern der Katastrophe - wirft den österreichischen Behörden vor, den Angehörigen der Opfer die Toten nicht vollständig übergeben zu haben.

Was ist im Sarg?

Die Ablehnung des Gerichts "war aus formalen Gründen begründet", doch es gebe gesetzliche Bestimmung, wonach Leichenteile nicht ohne Einverständnis der Angehörigen beigesetzt werden dürfen, betonte Hinterwirth. Viele der Angehörigen wollten diese anonyme Beisetzung nicht. "Ich bin gespannt, was in dem Kindersarg enthalten ist", sagte der Rechtsanwalt. Sollte es zu einer Exhumierung kommen, dann müssten die Kosten dafür die Angehörigen tragen.

Fehler des Gerichts

Alles geschehe nicht aus Effekthascherei, betonte Hinterwirth. Es sollen die Fehler des Gerichts in Salzburg aufgezeigt werden, damit man sich "bei den zivilrechtlichen Klagen vorm Gericht in den USA leichter tut", so der Rechtsanwalt, der neuerlich die schon mehrmals erhobenen Vorwürfe vorbrachte. Die involvierten Firmen hätten auch "grob fahrlässig gehandelt" - das lasse sich aus Aussagen von Mitarbeitern zurückführen. (APA)

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