Steirische austriamicrosystems mit Airbus-Großauftrag

16. August 2001, 17:45
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Elektronik aus Unterpremstätten für den europäischen Großraum-Airliner Airbus A300/A310

Graz - Der steirische Chiphersteller austriamicrosystems (vormals AMS) in Unterpremstätten bei Graz hat einen Großauftrag aus der europäischen Luftfahrtindustrie an Land gezogen: Die neue Flug-Elektronik (Avionik) der Airbus-Jetfamilie A300/A310 soll künftig mit den Chips aus Unterpremstätten in die Lüfte gehen. Das Unternehmen geht dabei mit dem deutschen Avionik-Hersteller Diehl eine Kooperation ein.

austriamicrosystems beschäftigt rund 800 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von 1,677 Mrd. S (121,9 Mill. Euro). Die Gesellschaft hat sich vor kurzem ein neues Outfit verpasst und von der bisherigen Abkürzung AMS (für Austria Mikro Systeme) ebenso Abschied genommen wie von der Wiener Börse, nachdem im Sommer 2000 die von internationalen Investmentfonds getragene Aspern Industriebeteiligungs AG das Unternehmen fast zur Gänze übernommen hatte.

Auftragsvolumen von bis zu 40.000 Stück

Den Auftrag für das steirische Unternehmen hat die deutsche Diehl Avionik Systeme GmbH erteilt. Diehl ist Deutschlands größter Hersteller von Avionik und Hauptlieferant des Airbus-Konsortiums. Das steirische Mikroelektronik-Unternehmen hat zuletzt in seiner Entwicklungs- und Forschungstätigkeit verstärkt auf Flugzeugelektronik-Bestandteile gesetzt. Wie der Fachpresse zu entnehmen ist, sollen je nach Erfolg zwischen 200 und 600 Flugzeuge des Airbus-Frachtmodells aus der A300/A310-Jetfamilie gebaut werden. Für die austriamicrosystems bedeutet das wiederum bei einem Bedarf von etwas über 60 Mikrochips pro Jet ein Auftragsvolumen von bis zu 40.000 Stück. Im nächsten Jahr sollen die ersten Airbus-Modelle mit der Elektronik aus der Steiermark dann abheben. Die Frachtversion des Airbus kann bis zu 50 Tonnen bewegen.

Die von der austriamicrosystems speziell entwickelten Halbleiter sollen zwischen zehn und 15 alte elektronische Bauteile ersetzen und unter anderem für das "Management" der Instrumentenkonsole eingesetzt werden. Ein weiterer Chip, den die Steirer an Diehl liefern, setzt Daten über den Treibstoffverbrauch bis zur Geschwindigkeitsmessung um und zählt dadurch zu den "Lebensnerven" eines Flugzeugs.

100.000 Menschen für ein Airbus

Die Diehl Avionik Systeme GmbH ist Deutschlands größter Hersteller für zivile Avionik und durch die Fusion von VDO Luftfahrtgeräte GmbH in Frankfurt/Main und des Bereichs Regelung und Navigation der Bodensee Gerätetechnik GmbH in Überlingen entstanden. Diehl mit Sitz in Frankfurt hält an den Unternehmen 51 Prozent, Thomson-CSF Sextant, die nun unter dem Namen Thales-Avionics firmiert, hat 49 Prozent. Diehl hat 11.610 Beschäftigte und einen Umsatz von umgerechnet 21,9 Mrd. S (1,59 Mrd. Euro).

Airbus gehört zur European Defence and Space Company (EADS). Die EADS wiederum setzt sich aus den größten europäischen Flugzeugkonzernen zusammen: Aerospatiale-Matra in Frankreich, DaimlerChrysler Aerospace in Deutschland, die spanische CASA sowie die British Aerospace Systems. Airbus-Flugzeuge werden in Toulouse und Hamburg produziert. Die vier Konzerne beschäftigen rund 37.000 Mitarbeiter und stellen 13 verschiedene Airbus-Typen her. Die 1.500 Subunternehmen in aller Welt mitgezählt sind in die Montage eines Airbus rund 100.000 Menschen involviert. Das Airbus-Konsortium hat einen Jahresumsatz von 277 Mrd. S (20,1 Mrd. Euro). (APA)

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