Mögliche Hörschäden durch Chemotherapie

16. August 2001, 12:09
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Begünstigenden Faktoren auf der Spur

Münster - Die Behandlung mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin kann bei Kindern irreparable Hörschäden hervorrufen. Da aber nicht alle kleinen Patienten unter dieser Nebenwirkung leiden, wollen Wissenschaftler der Universität Münster jetzt herausfinden, welche Faktoren die Entstehung bleibender Schwerhörigkeit begünstigen.

Zu bestimmten Zeitpunkten vor, während und nach der Therapie überprüfen die Spezialisten die Funktion des Innenohrs von krebskranken Kindern, die nach unterschiedlichen Schemata mit Cisplatin behandelt werden. Gleichzeitig werden die Konzentrationen des Chemotherapeutikums im Blut mit den Veränderungen der Hörfunktion verglichen. Darüber hinaus wollen die Wissenschaftler untersuchen, ob zwischen Alter, Geschlecht, Ernährungszustand, Körpertemperatur, Pigmentierung sowie der Wirkung therapiebegleitender Medikamente und dem Auftreten der Hörstörung ein Zusammenhang besteht.

Erbliche Faktoren?

Mit steigender Gesamtdosis von Cisplatin nimmt auch das Risiko zu, eine Hörstörung zu erleiden. Es gibt Hinweise darauf, dass erbliche Faktoren für die unterschiedliche Empfindlichkeit der Kinder verantwortlich sind. Ziel der Studie in Münster ist es, künftig vor einer Behandlung mit Cisplatin für jeden kleinen Patienten ein persönliches Risikoprofil erstellen zu können und die Therapie-Erfolge bei geringerer Belastung des Gehörs beizubehalten.

Jährlich erkranken etwa 1.750 Jungen und Mädchen unter 15 Jahren an Krebs. 70 Prozent der Kinder können geheilt werden. Leiden sie an einem Neuroblastom, an einem Knochen-, Keimzell- oder Hirntumor, werden sie meist mit Cisplatin behandelt. Das Medikament gehört zur Gruppe der alkylierenden Substanzen. Diese verändern die Bausteine des Erbguts so, dass die dann auseinander bricht. Dadurch starten die Tumorzellen ihr Selbstmordprogramm und gehen zugrunde. (pte)

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