Die Königin plant bei den Feuerameisen die Familie

16. August 2001, 20:00
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Überraschung: Auch das Geschlecht ihrer Untertanen

New York - Feuerameisen überlassen die "Familienplanung" ganz und gar ihrer Königin. Sie bestimmt nicht nur die Größe der Kolonie, sondern auch das Geschlecht ihrer Untertanen. Diese überraschende Entdeckung machten Evolutionsbiologen aus der Schweiz, Frankreich, Belgien und den USA bei der Feuerameisenart Solenopsis invicta. Sie berichten darüber im US-Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 293, S. 1308) vom Freitag. Bisher war vorherrschende Meinung, dass die Arbeiterinnen den Geschlechter-Anteil beim Nachwuchs festlegen.

Diese These hatte ein Harvard-Team vor 25 Jahren aufgestellt. Die Forscher waren davon ausgegangen, dass Arbeiterinnen weiblichen Nachwuchs bevorzugen, weil Weibchen ihnen genetisch näher stehen. Männliche Ameisen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern und haben nur jeweils eine Erbgutkopie. Weibliche Ameisen schlüpfen dagegen aus befruchteten Eiern und sind mit jeweils zwei Erbgutkopien ausgestattet, eine von jedem Elternteil. Der Harvard-These zufolge kam pro Ameisenkolonie nur ein Männchen auf drei Weibchen.

Die Probe

Die Forscher um Laurent Keller von der Universität in Lausanne machten jetzt die Probe aufs Exempel. Sie untersuchten 24 Feuerameisenkolonien und ermittelten das Geschlecht von jeweils 100 Ameisen. Dabei ergab sich, dass nur 13 Kolonien fast ausschließlich Weibchen produzierten, aber elf überwiegend männlichen Nachwuchs. Nach dieser Bestandsaufnahmen vertauschte Keller die Königinnen zwischen den Kolonien. Fünf Wochen später hatten die Königinnen das Bild in ihrem neuen Zuhause verändert und das Geschlecht des neuen Nachwuchses genauso festgelegt wie in ihrem ursprünglichen Nest.

Den Grund für die königliche Wahl können sich Keller und Kollegen noch nicht erklären. Sie halten es für denkbar, dass nach der Befruchtung älterer Königinnen deren Eier nicht mehr so effizient mit dem gespeicherten Samen verschmelzen. "Oder ihre Veranlagung lässt sie mehr Nachwuchs eines bestimmten Geschlechts produzieren", mutmaßt das Team in "Science". (APA/dpa)

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