Anleger verlassen Deutsche Telekom in Scharen

17. August 2001, 21:07
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Unternehmen versucht Schadensbegrenzung: Erst ab September weiterer Aktien-Rückfluss erwartet

Frankfurt - Der Kurs der durch Großverkäufe schon schwer gebeutelten Deutschen Telekom fiel am Freitag zu Mittag um knapp zwei Prozent auf 17,68 Euro. Beunruhigte Anleger warfen ihre Aktien auf den Markt und bewirkten so einen Kurs der sich weiter dem Emissionskurs von 1996, der bei 14,57 Euro lag näherte.

Gelassenheit

Die Deutsche Telekom gab sich dagegen gelassen und gab an, dass ab Anfang September weitere 80 Millionen der bei der Übernahme von US-Firmen ausgegebenen T-Aktien an der Börse verkauft werden. Man rechne damit, dass von den neuen Großaktionären der Telekom rund 80 Millionen Anteile nach dem Stichtag 1. September auf den Markt kämen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitagausgabe) unter Berufung auf Aussagen von Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick.

Selbst 100 Millionen Aktien dürften den Markt nach Überzeugung Eicks nicht beeindrucken, hieß es weiter. Eick erwarte nicht, dass eine deutlich höhere Anzahl an Aktien an den Markt gebracht werde. "Eine Gefahr, dass 500 Millionen Aktien verkauft werden, vermag ich nicht zu erkennen", wurde der Vorstand von der Zeitung zitiert. "Wir haben das Problem gut gemanagt, 85 Prozent des möglichen Flow-Backs sind abgedeckt."

Auch der deutsche Kanzler Schröder konnte der T-Aktie nicht helfe. Er hatte sich auf seiner Sommerreise durch die ostdeutschen Bundesländer besorgt über den Kurs der Telekom geäußert: "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Telekom ein Unternehmen ist, dass zurzeit unter Wert gehandelt wird", meldete die Financial Times Deutschland.

Mehr als 20 Prozent gefallen

Der Telekom-Kurs war in den vergangenen Tagen um mehr als 20 Prozent gefallen, nachdem die Deutsche Bank im Namen eines nicht genannten Investors 44 Millionen T-Aktien verkauft hatte. Am Finanzmarkt waren daraufhin Befürchtungen aufgekommen, das an den Aktienmärkte in den kommenden Wochen und Monaten mehrere hundert Millionen weiterer Aktien, mit denen die Telekom die Übernahme der US-Konzerne VoiceStream und Powertel bezahlt hatte, verkauft werden könnten und damit den Aktienkurs deutlich unter Druck setzten könnten.

Unter Berufung auf Angaben von Eick berichtete die "FAZ" am Freitag weiter, von dem im Zusammenhang mit US-Zukäufen am 31. Mai ausgegebenen 1,2 Milliarden T-Aktien sei die Hälfte bei freien Aktionären untergebracht worden, davon bereits 300 bis 350 Millionen Stück vor Vollzug der Übernahme am 31. Mai. Die vereinbarten Haltefristen für die Titel hätten vorgesehen, dass die VoiceSTream-Großaktionäre 17,5 Prozent ihrer aufaddiert rund 580 Millionen T-Aktien vor dem 31. Mai hätten verkaufen dürfen. Dadurch seien 23 Millionen T-Aktien auf den Markt gekommen. Die finnische Sonera habe im Mai über die Deutsche Bank zwölf Millionen Anteile verkauft. VoiceStream-Vorstandschef John Stanton habe ebenfalls vor dem Stichtag 3,7 Aktien abgegeben.

Bei den durch Haltefristen gebundenen Großaktionären seien 350 Millionen T-Aktien in guten Händen, sagte Eick den Angaben zufolge weiter. Diese Zahl ergebe sich aus der Addition der Anteile von Aktionären wie Goldman Sachs (38 Millionen) und Sonera (72 Millionen) und Telephone Data Systems aus Chicago (rund 130 Millionen). (APA/Reuters)

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