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21. August 2001, 18:06
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Die Luft ist das Element der Freiheit - für Flieger, Luftspringer und Leute, die in windiger Höhe ihren Arbeitsplatz haben. Für den Standard haben sechs Personen Luftbekenntnisse abgelegt

Hermann Rath
Kranführer
Es ist eine gewöhnliche Arbeit wie jede andere, schwindelfrei muss man halt sein, aber ich bin als Bub schon auf den Bäumen herumgeklettert. In 50 Metern Höhe hört man nur noch, wenn jemand heraufschreit, oder wenn es einen Buserer auf der Straße gibt. Sonst hört man nicht viel. Ich hab' mein Radio oben, sonst braucht man nicht viel. Ruhig muss man halt sein, Nerven muss man haben und Reaktionsvermögen, weil manchmal passieren schon Sachen, dass man in die Höh' gehen könnt'. Wenn sie etwas falsch anhängen, oder wenn was abreißt. Wenn es sehr windig ist, so ab 50 km/h, hört man auf, manchmal fährt man aber auch weiter. Den Ausleger schmeißt es bis zu eineinhalb Meter, wenn der Wind reinfährt.

Roland Eslitzbichler
Kapitän, Christophorus-Pilot
Luft ist Natur, und Hubschrauberfliegen erfordert Naturverbundenheit, da man sich viel im Gelände bewegt und auf den Wind als konzentrierte Form der Luft angewiesen ist. Mit dem Wind muss man in allen Phasen des Fluges respektvoll umgehen, beim Start, unterwegs und bei der Landung. Den Wind zu vernachlässigen kann tückisch und gefährlich sein. Doch kann man sich mit dem Wind gewissermaßen auch verbünden, sich von ihm helfen lassen. Nicht nur der Wind, auch Höhe und Lufttemperatur wirken sich spürbar aus und verlangen den Triebwerken mehr Leistung ab. Je höher es hinaufgeht, desto dünner wird die Luft, sie trägt weniger, und der Pilot muss die physikalischen, technischen Grenzen seines Hubschraubers kennen und respektieren.

Elisabeth Zehetner
Lungenfachärztin
Luft ist für mich Synonym für Freiheit und Schwerelosigkeit. Sauerstoff bedeutet Leben, und Luft ist ein Nahrungsmittel für den Körper, eigentlich das Lebenselixier schlechthin. Luftkurorte sind also Oasen für die Gesundheit, die Luft in den Bergen ist etwas Besseres als die Luft in der Stadt. Das, was man einatmet, hat man schließlich auch im Körper. Luft ist wertvoll, man sieht sie nicht, sie ist selbstverständlich, und darüber beginnt man erst nachzudenken, wenn man sie nicht mehr hat. Sie sollte gepflegt und erhalten werden, saubere Luft ist mindestens ebenso wichtig wie sauberes Wasser - daher: Luft ist Leben.

Ulrich Straka
Ornithologe
Luft ist etwas scheinbar Grenzenloses, und Vögel sind an den Luftraum natürlich am besten angepasst. Schwalben und Mauersegler befinden sich zeitlebens in der Luft, sie kommen nur auf den Erdboden zurück, um sich fortzupflanzen. Eine Extremform ist etwa die Küstenseeschwalbe, die zweimal pro Jahr zwischen Arktis und Antarktis hin-und herfliegt. Was die Menschen an den Vögeln so fasziniert, ist das Gefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit, das diese Tiere vermitteln. Doch macht gerade diese wichtige Tiergruppe die Begrenztheit des Lebensraumes sehr deutlich. Schadstoffe werden in Tieren gefunden, die ihren Lebensraum weitab der Emissionsquellen haben, und ein großer Teil der Vogelarten ist durch die Umweltverschmutzung akut bedroht.

Brigitte Hanzmann
Fallschirmspringerin
Luft bedeutet für mich Freiheit, es geht mir um den freien Fall durch die Luft, deswegen springe ich. Das Gefühl ist unbeschreiblich, es ist emotional tiefgreifend, ein extremes Glücksgefühl, das damit einhergeht. Ich bin glücklich in der Luft, ich spüre dieses Element intensiv und bin ganz bei mir. Natürlich ist es angenehmer, im Sommer zu springen, es ist so erfrischend wie ein Köpfler in kühles Wasser. Die Luft ist für mich ein Pool, in dem ich mich wohl fühle, in dem ich mich bewegen kann. Von dort oben bekommt man einen anderen Blickwinkel auf vieles, nicht nur auf
den Erdboden.

Anja Richter-Libiseller
Wasserspringerin
Wasserspringer führen ihre Bewegung in ganz kurzer Zeit aus, das Wasser und die Luft spielen dabei die gleiche Rolle. Den Luftwiderstand, den Gegenwind vor dem Eintauchen zu spüren ist ein gutes Gefühl, vor allem bei Schrauben. Während man sich bei einem Salto in enger Hocke befindet, ist der Körper während einer Schraube gestreckt, und wenn man in die Drehung geht, spürt man den Luftzug am ganzen Körper. Geatmet wird während eines Sprunges übrigens nicht. Der Reiz des freien Falles durch die Luft ist so groß, dass viele Wasserspringer diesen Kick auch über Fallschirmspringen und Bungeejumping suchen. Man will immer mehr davon.

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