Proteste gegen israelischen Botschafter in Dänemark

15. August 2001, 22:21
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Carmi Gillon soll für Folterungen verantwortlich gewesen sein

Hunderte protestieren Wegen umstrittenen Aussagen zu Folter Kopenhagen - Unter dem Protest von rund 500 Demonstranten ist der neue israelische Botschafter in Dänemark am Mittwoch in Kopenhagen eingetroffen. Rund 300 Polizisten sicherten den Sitz von Botschafter Carmi Gillon. Er soll 1995 bis 1996 als Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Beth für Folterungen verantwortlich gewesen sein. Nach seinen Äußerungen in dänischen Medien, er befürworte "moderaten physischen Druck" gegen verdächtige Palästinenser, schlug Gillon eine Welle der Empörung entgegen.

Dänische und internationale Organisationen hatten zum Boykott gegen Gillon aufgerufen. Die Nachfolgepartei der Kommunisten, die Einheitsliste, kündigte eine Klage gegen Gillon wegen Verstoßes gegen die Anti-Folter-Konvention der Vereinten Nationen an. Die Regierung in Kopenhagen lehnt rechtliche Schritte gegen die Einsetzung des Botschafters dagegen ab.

Gillon hatte kurz nach seiner Ernennung in Interviews erklärt, er habe als Geheimdienstchef Mitte der neunziger Jahre in etwa hundert Fällen "moderaten physischen Druck" bei Verhören angeordnet und trete für die Wiederzulassung dieser 1999 verbotenen Methode ein. In Kopenhagen haben sich sämtliche Parlamentsparteien gegen Gillon ausgesprochen. Führende Politiker aus dem Regierungslager und der Opposition wollen ihn boykottieren. (APA/AP)

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