Neue Methode filtert Stammzellen aus dem Gehirn

16. August 2001, 09:25
posten

"Ersatzteillager" im Kopf für Reparatur und Austausch kranker Nervenzellen

London/New York - Australischen Wissenschaftern ist es gelungen, neuronale Stammzellen aus den Gehirnen erwachsener Mäuse zu gewinnen und stark anzureichern. Versuche in Zellkulturen zeigten, dass diese Zellen die Fähigkeit besitzen, sich auch zu anderen als Nervenzellen zu entwickeln, berichten sie in der britischen Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 412, Nr. 6848, S. 736). Dies könnte die Forschung an adulten Stammzellen aus spezialisiertem Gewebe stark erleichtern, die im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen ethisch unumstritten sind.

Rodney Riethe und Perry Bartlett vom Walter and Eliza Hall Institute for Medical Research in Parkville (Australien) nutzten die so genannte Flowcytometrie, ein Verfahren, bei dem lebende Zellen beim Durchfluss durch eine Kapillare auf bestimmte Eigenschaften getestet werden können. Dadurch gelang es ihnen, die sonst schwer auffindbaren neuronalen Stammzellen aus dem Hirn auf 80 Prozent in der isolierten Zellmenge anzureichern. Gleichzeitig identifizierten sie bestimmte Hirnbereiche, in denen die Stammzellen gehäuft vorkommen.

Über solche Stammzellen-Ersatzteillager im Gehirn hatten kürzlich bereits US-Forscher von der Harvard-Universität berichtet. Es scheine sich um einen lebenslangen Vorrat zu handeln, den sich das Gehirn für die Reparatur und den Austausch kranker Nervenzellen anlege, schrieben sie in "Scienceexpress", der Online-Ausgabe des US-Fachjournals "Science".

Auch kanadische Forscher berichten von Fortschritten bei der Suche nach adulten Stammzellen. Freda Miller von der McGill Universität in Quebec (Kanada) gelang die Anreicherung von Stammzellen aus der menschlichen Haut, wie die Zeitschrift "Nature Cell Biology" (Bd. 3, S. 778) berichtet. (APA/dpa)

Share if you care.