Petritsch kritisiert Unverständnis der Staatengemeinschaft für Balkan

15. August 2001, 21:25
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Blick auf größere Zusammenhänge gefordert

Wien - Der Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina, Wolfgang Petritsch, hat das Unverständnis der Staatengemeinschaft für die Balkan-Region kritisiert. Die Gefahr sei sehr groß, "dass man sich wieder - wie vor zehn Jahren - zu stark auf den einen offensichtlichen Konflikt in Mazedonien konzentriert, statt den größeren Zusammenhang des Auseinanderbrechens der ursprünglichen staatlichen Konstellationen zu sehen", warnte Petritsch in einem Interview mit dem "Kurier".

"Konfliktbewältigung ist nur mit einem umfassenden Blick auf die gesamte Region möglich, nicht allein durch Krisenmanagement. Es fehlt die Vorstellung, wie der Balkan aussehen soll, oder besser Südosteuropa, das erfolgreiche Länder wie Griechenland einschließt", meinte Petritsch. In Osteuropa gebe es Integrations-Fortschritte - nur auf dem Balkan konzentrierten sich internationale Diplomatie und Politik auf Phänomene des Zerfalls.

Ein großes Problem, das er auch in Bosnien erlebe, sei, "dass wir mit sehr westlichem Denken an die Probleme herangehen und dann an Grenzen stoßen. Es werden zu wenig lokale Bedürfnisse, Traditionen, die emotionale Ebene berücksichtigt", so Petritsch. Auch der politische Gestaltungswille sei nach wie vor unterentwickelt. "Europa leistet sich nach wie vor den Luxus, zu reagieren und dafür teuer zu bezahlen", sagte der österreichische Spitzendiplomat.(APA)

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