Dubiose Creutzfeldt- Jakob-Heilung

16. August 2001, 08:29
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Experte Herbert Budka (Bild) ist skeptisch gegenüber Erfolg mit Malariamedikament

Washington/Wien - "Wenn es stimmen würde, dass durch ein Malariamedikament eine Besserung bei Creutzfeldt-Jakob (CJD) unter kontrollierten Bedingungen beobachtet werden konnte, wäre das zweifellos ein enormer Fortschritt, weil wir derzeit ja nichts dagegen tun können", erklärt Herbert Budka (Neurologie, AKH Wien) dem STANDARD, "aber es ist zu früh, etwas dazu sagen zu können, es gibt zu viele unklare Fakten."

Die Meldung von einer CJD-Heilung kommt von einer britischen Familie, deren 20-jährige Tochter an jener neuen Variante der Krankheit leidet, die vermutlich durch Rindfleisch auf Menschen übergeht. Diese Familie hatte davon erfahren, dass am Institut von Stanley Prusiner - dem Entdecker der Krankheitsüberträger ("Prionen") - nach Medikamenten gesucht wird, vor allem von Prusiners Mitarbeiter Carsten Korth.

Testkriterium ist zunächst das leichte Durchdringen jener Schranke, mit der das Gehirn sich vor Eindringlingen aus dem Blut schützt. Von allen Medikamenten, die leicht durchkamen, konnten zwei auch - an Mäusen - Prionen zerstören: das Malariamittel Quinacrin und das Antipsychotikum Chlorpromazin. Beide sollen, zusammen mit neue Substanzen, in zwei Wochen in klinische Tests gehen.

Davon hatten nicht nur die Eltern des britischen Mädchens gehört, sondern auch ein US-Amerikaner, der an der alten CJD-Variante leidet, die durch Gendefekte entsteht. Beide drängten Kroth auf raschen Einsatz - die Medikamente haben starke Nebenwirkungen, sind aber zugelassen -, bekannt wurde nur, dass es dem Mädchen nach 21 Tagen besser gehen soll, dem Mann schlechter.

Schuss ins Ungewisse

"Man muss da schon sehr vorsichtig sein", erklärt Budka, "man kann ja CJD bei Lebenden nicht hundertprozentig diagnostizieren, und man kann auch Fluktuationen im Spontanverlauf nicht ausschließen. Was Kroth da gemacht hat, ist eher ein Schuss ins Ungewisse."

Unterdessen geht die Suche nach Prionenmedikamenten weiter. Am Scripps Research Institute, La Jolla, wurde laut nature gerade ein Antikörper an Zellkulturen erfolgreich getestet. Auch anderswo zeigen sich bestimmte Peptide an Mäusen viel versprechend. "Aber wie wirksam das am Menschen ist, steht in den Sternen", dämpft Budka, "es gibt derzeit kein klinikreifes Medikament." (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.8.2001)

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