Gemütliches Schreckensszenario

16. August 2001, 21:27
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Eine Installation des Dänen Henrik Plenge Jakobsen in Bregenz

Bregenz - Psychiatrische Anstalten sind Orte ohne Wiederkehr. Sie strahlen Trostlosigkeit aus, Verlorenheit, da kann alle Therapie und Bastelstunde nicht darüber hinwegtäuschen. Diese Trostlosigkeit wurde im Magazin 4 des Vorarlberger Kunstvereins minutiös nachgestellt. In die Fabriksetage aus der Jahrhundertwende bastelte der junge dänische Künstler mit tatkräftiger Unterstützung des Magazin-4-Teams eine psychiatrische Klinik mit allem Drum und Dran. Mit Patienten- und Ärztezimmern, mit Bastel-oder Fernsehraum.

Ausgestattet sind die Zimmerparzellen, die mit Farbmarkierungen voneinander getrennt wurden, mit ausrangierten Gerätschaften aus einer echten "Anstalt", und liebevoll wurden die Utensilien des Krankenhausalltags drumherum drapiert: Bunte und Gala liegen neben zerwühltem Bettzeug, halb ausgetrunkene Orangensaftgläser kleckern auf Nachtkästchen, und im Fernsehzimmer quellen die Aschenbecher über. Die Glotze flimmert.

Jakobsen und Freunde haben Wert auf den korrekten Nachbau im Detail gelegt. Doch es ist alles halb so gruselig geworden. Auf dem Couchtischlein liegen aktuelle Tageszeitungen, die Fernbedienung steht zur Verfügung: Es ist also gemütlich im Schreckensszenario, und man hält es dort dank der komfortablen Infrastruktur und des freundlichen Personals außergewöhnlich lange aus.
(mh/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 8. 2001)

Henrik Plenge Jakobsen: Toll.

Installation im Magazin 4,
Bergmannstraße 6,
6900 Bregenz.

Mi-Fr 16.00-19.00,
Sa, So und feiertags:
10.00-12.00, 14.00-16.00.

Bis 2. 9.
  • Artikelbild
    foto: magazin 4
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