Geliebte Feindschaft

15. August 2001, 21:19
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Thomas Bernhards "Rosen der Einöde" erblühen national erstmals in Gmunden

Gmunden - Für die Jüngeren vorab ein wenig Geschichteunterricht: Es war einmal ein Mordsbahöl in diesem unseren kleinen Land. Thomas Bernhard hatte eben sein neuestes Werk veröffentlicht, Gerhard Lampersberg, Kärntner Tonsetzer und Kunstmäzen, dagegen Klage eingereicht, da er sich in der Figur des Komponisten Auersberger verunglimpfend dargestellt gefühlt hatte.

Am 29. August des Jahres 1984 stürmten furchtlose Exekutivbeamte die Buchhandlungen und konfiszierten "Holzfällen". Der Untertitel des Buchs, zugleich dessen Folgewirkung: "Eine Erregung". Und Bernhard hatte seine rastlos mäandernden Buchstabenfluten auch tatsächlich wie Gülle über das fiktionale Alter Ego seines einstigen Förderers ergossen: Als "geilen Schriftstellerverschlinger" beschrieb er den "seit dreißig Jahren nur noch betrunkenen Auersberger".

Nur in homöopathischen Dosen erlaubte sich der Icherzähler auch Positives über Auersberger und dessen Frau: "Sie haben mich gerettet damals." Damals, das waren die Jahre zwischen 1957 und 1960, die Bernhard vorwiegend auf Lampersbergs Anwesen in Kärnten verbrachte. Der so genannte "Tonhof" in Maria Saal war in diesen Jahren Sommerfrische der heimischen Avantgarde. O-Ton des jungen Peter Turrini: "Das Erstaunliche war die Symbiose von Schock und Vergnügen, die Regelübertretung war gleichzeitig das Leben."

Nachvollziehbar, dass die Zeit in Maria Saal für den Schriftsteller Bernhard zu einer enorm produktiven geriet, nebst mehreren Lyrikbänden und einiger Kurzprosa schuf er in Zusammenarbeit mit Lampersberg diverse Einakter und Kurzopern, darunter die "rosen der einöde. fünf sätze für ballett, stimmen und orchester".

Noch nie wurde das komplette Opus in Österreich gezeigt, in Gmunden am Traunsee passiert dies jetzt. Man darf gespannt sein.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 8. 2001)

Von
Stefan Ender

Premiere am 18. 8. im Toscana Congress in Gmunden, 20.00
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