Die Sache mit der (fehlenden) Solidarität

15. August 2001, 19:22
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Die Wiener Club-Szene veranstaltet Solidaritätsevents für die "VolxTheaterKarawane"

"Anwälte kosten Geld", steht lebenserfahren auf den Flyern. Diese rufen zu Solidarität mit den drei Wochen lang inhaftiert gewesenen VolxTheaterKarawane-Leuten auf. Solidarität, wir erinnern uns entfernt, das bedeutet Zusammengehörigkeitsgefühl, Gemeinschaftssinn. Also Begriffe und Haltungen, die "unsere" Regierung im Zusammenhang mit den bösen "Sanktionen" von uns unter viel "Vernaderer"-Gekeife zwar eingefordert hat, allerdings selbst seinen Bürgern nicht zugestehen will. Zumindest nicht allen und nicht gleich.

Aber nicht jedem ist die Bedeutung dieses Begriffs abhanden gekommen, und so kam es, dass in den letzten Tagen eine Welle spontaner Solidaritätsveranstaltungen ins Leben gerufen wurde, deren Erlös für die Anwaltskosten der unbescholtenen Karawanenleute gespendet wird.

Am Donnerstag legen im Szenelokal Pulse, das zwei seiner Mitarbeiter unter den Inhaftierten hatte, diverse DJs auf. Zwei Drittel des Umsatzes kommen der Karawane zugute. Am Freita tritt im Gürtellokal Rhiz die Linzer Metal-Techno-Pop-Formation Wipeout mit ihrem charismatischen Sänger Didi Bruckmayr für den guten Zweck auf.

Nächsten Mittwoch wird der Wiener Elektronic-Star Christian Fennesz, der eben sein atemberaubendes Album Endless Summer veröffentlicht hat, im Gürtelbogen 72, also im B 72, einen Liveauftritt absolvieren. Und auch die Szeneinstitution Blue Box, die am Sonntag ihr jährliches Sommerstraßenfest abhält, spendet einen Teil des Umsatzes dieses Tages für die Anwaltskosten. Weitere Veranstaltungen folgen demnächst!

Also, selbst auf die Gefahr hin, "polizeilich vorgemerkt" zu werden, sollte man sich aus demokratischer Grundhaltung auf einer der oben erwähnten Veranstaltungen sehen lassen. Zumindest.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 8. 2001)

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