VolxTheater-Karawane: Ferrero- Waldners eigenwillige Einschätzung - von Christoph Prantner

15. August 2001, 19:00
4 Postings

Die Außenministerin ist sich keinerlei Versäumnisse bewusst. "Ich habe mich vom ersten Tag an persönlich und direkt um eine baldmögliche Enthaftung bemüht", ließ Benita Ferrero-Waldner nach der Freilassung der 13 VolxTheater-Aktivisten am Dienstag wissen. Einige seien jetzt ja auf freiem Fuß. Um das Schicksal der drei noch einsitzenden Österreicher werde sie sich weiter intensiv kümmern.

Ganz zu schweigen von ihrer Klassifikation der VolxTheater-Leute als ohnehin "vorgemerkte" Elemente - diese Einschätzung der Außenministerin ist eine doch recht eigenwillige. Von wegen "vom ersten Tag an persönlich bemüht": Mailänder Konsul und Botschafter in Rom brauchten eine knappe Woche, bis sie durchblickten, was gegen die Gaukler überhaupt vorliegt.

Die Inhaftierten wurden am zweiten und dritten Tag nach ihrer Festnahme von Gesandten des Außenamts zwar mit Zahnbürsten und Unterwäsche versorgt. Erst nach gut einer Woche U-Haft - und einer offensichtlich ungenutzt verstrichenen Wien-Visite des italienischen Außenministers Ruggiero - rang sich Ferrero-Waldner zu einer "erschütterten" Gemütsregung im Zusammenhang mit den Verhaftungen durch.

Nicht dass sich jeder Österreicher, der in einem ausländischen Häf'n landet, einen Ferrero-Waldnerschen Gefühlsausbruch erwartete, der über ein distinguiertes Lächeln hinausgeht. Es genügte, wenn im Außenamt mehr auf den gesetzlichen Auftrag geachtet würde, inhaftierte Österreicher (ob nun schuldig oder unschuldig) so schnell wie möglich heimzuholen.

Dass dabei politischer Druck etwas nützt, zeigt gerade das VolxTheater: Fast alle Österreicher sind inzwischen frei. Die von ihren Diplomaten im Stich gelassenen slowakischen Mitglieder der Karawane schmoren noch immer im Gefängnis.(DER STANDARD, Print- Ausgabe, 16.8.2001)

Share if you care.