Benetton-Boss: "Mode ist unsere Leidenschaft"

15. August 2001, 19:33
posten

Trotzdem wird Telekom künftig ein Viertel des Benetton-Umsatzes ausmachen

STANDARD-Korrespondentin Thesy Kness-Bastaroli aus Ponzano

Firmengründer Luciano macht kein Geheimnis daraus, dass die Benetton-Gruppe - obwohl sie sich inzwischen zu einem Mischkonzern par excellence entwickelte - auch in Zukunft auf den Modebereich fokussiert: "Mode ist unsere Leidenschaft und unsere Wurzel." Auch wenn der Telekomsektor mittelfristig bis zu 25 Prozent des Umsatzes bestreiten werde.

Benetton sagte in einem Gespräch mit dem STANDARD, dass eine Beteiligungsverringerung beim Mobilfunkunternehmen Blu, wo Benetton gemeinsam mit der Tochterfirma Autostrada die relative Mehrheit kontrolliert, nicht auszuschließen sei. Für Blu interessiert sich auch die spanische Telefónica, die in Italien eine UMTS-Lizenz erwarb, jedoch kein GSM-Unternehmen betreibt.

In Österreich sieht der Konzernchef, insbesondere im Modesektor, noch ein hohes Wachstumspotenzial. "Wir betreiben hier bereits fünf Megastores und wollen die Anzahl der Geschäfte verdoppeln", bestätigte "Signor Luciano" (wie er allgemein genannt wird). In den letzten Jahren wurden weltweit 80 dieser gigantischen Boutiquen mit einem Investitionsaufwand von 500 Mio. EURO eröffnet. Bis 2003 sollen dafür weitere 250 Mio. EURO ausgegeben werden. Vor allem im Marktsegment der Jungen sieht er noch Expansionsmöglichkeiten.

Das Wachstum soll aber nicht durch Akquisitionen, sondern durch eine interne Expansion erfolgen. "Es ist äußerst schwierig, die eigenen Regeln bei akquirierten Firmen anzuwenden." Im Sportsektor sieht der Benetton-Konzernchef kaum Wachstumsmöglichkeiten. Hier soll sich der Umsatz auf dem gegenwärtigen Niveau konsolidieren.

Insgesamt wird die Benetton Group - trotz der allgemein schwachen Konjunktur - im laufenden Jahr ein Umsatzplus von mindestens sieben bis acht Prozent bei einem stagnierenden Gewinn erzielen. Im Vorjahr kletterte der Gewinn um 46 Prozent (infolge außerordentlicher Einnahmen) auf 243 Mio. EURO, der Umsatz machte zwei Mrd. EURO aus. Knapp 40 Prozent des Umsatzes entfielen auf den Mode- und Sportsektor.

"Menschliche Preise"

Keinerlei Ambitionen zeigt der Firmengründer, in den Luxussektor einzusteigen. Er will weiterhin "Mode zu menschlichen Preisen", die vor allem der Jugend vorbehalten sei, machen. Das Schwergewicht der Produktion werde sich weiterhin auf "Made in Italy" konzentrieren. Rund 80 Prozent der jährlich 100 Millionen Klamotten werden in Italien produziert.

Manche Sportsparten, wie etwa Ski und Rollerblade, laufen auf Hochtouren. Die einst von Benetton übernommene Kästle-Skiproduktion wird unter dem Markenzeichen Nordica fortgesetzt. Benetton hat in den vergangenen Jahren vor allem in "arme" Sportarten investiert und sponsert etwa Rugby, Volleyball und den Radsport.

Signor Luciano bestätigte weiters den Einstieg in die venezianische Regional-Fluggesellschaft Alpi Eagle, die im laufenden Jahr einen Umsatz von 80 Mio. EURO anstrebt und vor allem die Route Nordostitalien-Deutschland befliegt. Gerüchte, die von einem Interesse Benettons an der nationalen Fluggesellschaft Alitalia wissen wollen, dementierte er.

Zentrale Bedeutung haben auch die Betriebsgesellschaft der italienischen Autobahnen, Autostrade, die Betreibergesellschaft der Großbahnhöfe Italiens, Grandi Stazioni, und vor allem das Autobahnraststätten- und Restaurationsunternehmen Autogrill. Benetton konnte die vor sieben Jahren übernommene Autogrill zum Weltmarktführer machen. Eine weitere Expansion sei nicht auszuschließen.(STANDARD-Korrespondentin Thesy Kness-Bastaroli aus Ponzano, DER STANDARD, Printausgabe, 16. August 2001)

Share if you care.